Japanische Pendler und Reisende am Bahnhof Shin-Osaka
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Momentaufnahme: Japanische Pendler

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Japanische Pendler

Menschen an Bahnhöfen, so wie hier japanische Pendler (oder auch Reisende), üben eine gewisse Faszination auf mich aus. Ich mag es total solche Fotos wie dieses zu schießen. Es herrscht Ordnung und sogar eine gewisse Ruhe, eigentlich nicht, was man gedanklich mit Pendeln in Japan verbinden würde. Die Leute befinden sich an einem Zwischenort (hui, das klingt aber nach Murakami Haruki *lach*), in einem Transitzustand, noch nicht einmal in Bewegung auf dem Weg von A nach B, sondern wartend.

Rush Hour

Solche Fotos entstehen natürlich außerhalb der Rush Hour. Eine solche habe ich bisher morgens nicht erlebt. Ja, für deutsche Verhältnisse war es schon mal enger, aber nichts im Vergleich zu den Bildern, die man manchmal sieht. Auf denen Pendler in Züge gequetscht werden, Gesichter an Glasscheiben gepresst, der Arm mit dem Koffer irgendwo zischen anderen Mitfahrenden, kein Rankommen an die Morgenzeitung.

Der deutsche Fotograf Michael Wolfe schießt seit 15 Jahren solche Fotos, die mittlerweile drei Bücher füllen (nur noch gebraucht und ziemlich teuer bei amazon: Tokyo Compression, Tokyo Compression Revisited, Tokyo Compression Three)* Einen ersten Eindruck bekommt man auch auf seiner Website.
Schon ziemlich beklemmend, wenn ihr mich fragt.

Ein Nudelsuppen-Restaurant am Bahnsteig

Hier war es aber ganz anders. Morgens in Shin-Osaka bei strahlendem Sonnenschein. Am Bahnsteig nebenan sieht man eins der typischen soba und udon-Restaurants, in dem es zu jeder Tages- und Nachtzeit Nudeln gibt (jup, auch zum Frühstück). Ein Nudelsuppenrestaurant am Bahnsteig, ich weiß nicht, ob ich jemals darüber hinwegkommen werde, dass es das bei uns nicht gibt. Solche ekiudon (駅うどん, eki = Bahnhof) und ekisoba (駅そば) Buden habe ich mehrere fotografiert. Da gehe ich bestimmt wann anders mal noch genauer darauf ein ^^

*Amazon Affiliate Links. Solltet ihr euch zu einem Kauf entscheiden, werde ich mit einer kleinen Summe beteiligt und bedanke mich recht ♥-lich. Euch entstehen dadurch keine weiteren Kosten.

Die Burg von Osaka, Japan
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Gegen den Jetlag ankämpfen – Müde in Osaka

2 Kommentare

Fliegt man von Deutschland nach Japan, hat man immer das selbe Problem: den Jetlag -_- Wir fliegen dieses Jahr nun schon zum dritten Mal so, dass wir morgens um halb neun in Japan ankommen. Dann möchte man sich eigentlich nur ins Bett hauen. Aber das sollte man auf gar keinen Fall tun, wie ich selbst schon leidlich erfahren musste.

Mein erster Japanaufenthalt

Als ich zum ersten Mal nach Japan kam, landete mein Flieger gegen zehn Uhr Vormittags. Ein Fahrer der Sprachschule holte mich vom Flughafen ab und lieferte mich in meiner kleinen Wohnung ab, die mein Zuhause für die nächsten 9 Monate sein sollte. Darin gab es nicht viel, mein Futon war jedoch schon da. Also lies ich alles liegen und stehen und natzte erst einmal für über drei Stunden. Keine gute Idee. Denn ich machte so weiter und schlief eben, wann ich müde wurde, was natürlich weiterhin dem deutschen Rhythmus entsprach. Ich war gefangen im Jetlag-Teufelskreis und das zog sich ungelogen über Wochen. Wie oft lag ich bis fünf Uhr morgens wach, bevor ich einschlafen konnte ._.

Das Geheimnis gegen Jetlag

Das Geheimnis ist: Disziplin. Ab dem Moment, in den man in den Flieger steigt, auf die Zeit im Zielland umstellen. Für uns heißt das im Flieger schlafen (das klappt bei mir leider immer nicht so gut) und dann um 08.30 Uhr ankommen und in einen Powertag starten. Das schaffe ich nur gemeinsam mit Christian. Er ist da eisern, und es zahlt sich jedes Mal aus. Vor zwei Jahren sind wir ins Hotel, Koffer abgestellt und dann ab nach Kumamoto. Letzten Herbst verbrachten wir einen schönen aber auch müden Tag in Osaka. Zunächst waren wir am Sumiyoshi Taisha Schrein, darüber aber ein ander Mal mehr. Ab dann werden meine Erinnerungen schwammiger *lach*

Ein müder Nachmittag in Osaka

Am späten Nachmittag statteten wir dann Osakas Burg einen Besuch ab. Das Licht war herrlich und tauchte die pagodenartige Konstruktion in goldenes Licht. Ich denke auf dem Bild sieht man die zauberhafte Stimmung. Wir probierten es auch mit ein paar Selfies, aber da wir nun mal schreeeeecklich müde waren, sind die nicht öffentlich herzeigbar *lach* Danach sind wir maschiert. Nur ja nicht zu lange mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren, denn dann pennt man auch sofort weg. Also auf den Füßen bleiben und durchhalten, durchhalten, durchhalten. So gegen zehn, halb elf plumpsen wir dann ins Bett. Und am nächsten Tag? Als wäre nichts gewesen. Probiert es beim näschten Mal aus. Wir werden es auf alle Fälle wieder so machen.

Was sind eure Erfahrungen mit Jetlag? Macht ihr es so ähnlich wie wir oder überkommt euch der Schlaf einfach und es geht nicht anders?

Typischer Abendblick auf eine Straße in einem japanischen Wohngebit in Okazaki
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Leben in Japan – Ein Blick in die Nachbarschaft

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2009/2010 lebte ich in der Stadt Okazaki, etwa 30 Zugminuten von Nagoya entfernt. Mit etwa 380.000 Einwohnern groß genug, dass es alle Annehmlichkeiten vor Ort gab, dennoch wunderbar ruhig zu wohnen. Da ich meine Wohnung über die Sprachschule vermittelt bekommen hatte, war ich ganz in der Nähe dieser und dadurch auch nicht all zu weit von Bahnhof und Hauptstraße entfernt. Von letzterer genaugenommen nur eine Querstraße, dennoch empfand ich den Verkehr nie als störend oder gar laut. Vielmehr kam ich mir vor wie in einem ruhigen Wohngebiet irgendwo am Rande der Stadt.

Den Ausblick aus meinem Fenster habe ich euch in einem früheren Beitrag schon einmal gezeigt. Das Foto heute zeigt eine weitere Nebenstraße gleich ums Eck meines Wohnhauses. Wie gerne bin ich mit dem Rad durch über den Asphalt gebraust oder mit meiner besten Freundin spazieren gegangen. Wie überall in Japan fühlte ich mich vollkommen sicher und genoss es, mir die „Japanese-ness“ der Häuser einzuverleiben.

In direkter Umgebung gab es einen Friedhof, ohne Einzäunung oder blickdichte Mauern und Hecken. Ein großer Unterschied zu Deutschland, wie ich finde, wo Friedhöfe auf dem Land sowieso außerhalb des Dorfes liegen oder in der Stadt, wo er durch große Bäume und dicke Mauern „abgeschirmt“ wird vom Blick der umliegenden Anwohner. Der Tod ist bei uns nicht so ein Bestandteil wie im Alltag der Japaner, die ja auch oft in der Wohnung einen kleinen Altar haben, um ihrer Verstorbenen zu gedenken.

Mitten in der Nachbarschaft gab es auch einen Frisör. Eine unauffällige Tür wie zu jedem anderen Wohnhaus, erkennbar nur durch die sich drehende rot-blau-weiße Röhre (barber pole). In anderen Ländern ist dies ein Standard-Erkennungszeichen für Frisörläden, in Deutschland gibt es das zumindest in meiner Gegend gar nicht. Seit ich weiß, dass der barber pole existiert, fällt er mir auch in Animes auf (bei Detektiv Conan zum Beispiel) und auf dem Handy bei den Emojis *lach*

Wenn ich sonst an die Gegend denke, in der ich zu Hause war, fällt mir noch ein, dass es außergewöhnlich wenig Haustiere gab. Auf anderen Japanreisen zeigte sich, dass es durchaus Katzen und Hunde in Japan gibt. Nach dem ersten Aufenthalt war ich fest davon überzeugt gewesen, dass es überall so wäre wie in Okazaki: nur sehr vereinzelt ein paar Shiba Inu und meilenweit keine freilaufenden Katzen ._.

Hach ja, käme der Zeitpunkt, an dem ich wieder länger nach Japan ginge, Okazaki wäre wieder meine erste Wahl. Aber ich bin was das angeht natürlich auch etwas befangen ;)

Meoto-Iwa: Verheiratete, heilige Steine im Meer vor der Halbinsel Ise
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Meoto-Iwa: Verheiratete, heilige Felsen

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Bevor ich das erste mal nach Japan flog, gab es schon eine Handvoll Orte, die ich unbedingt besuchen wollte. Dazu gehörte Japans Hauptschrein auf der Halbinsel Ise und nicht allzu weit davon entfernt Meoto-Iwa 夫婦岩, die verheirateten, heiligen Felsen. Mittlerweile war ich sogar zwei Mal dort. 2014 waren Christian und ich an einem Sonntag und es war sehr überfüllt, aber als ich das erste Mal dort war, schien die Sonne, es war luftig und ist eine der schönsten Erinnerungen, die ich an meinen langen Japan-Aufenthalt habe.

Warum wollte ich ausgerechnet dort hin? So genau kann ich das nicht sagen. Ich hatte wohl ein Bild gesehen und empfand das, was ich sah, als magisch. Und ich wurde nicht enttäuscht, wenn die Felsen in Realität auch viel kleiner sind, als ich angenommen hatte. Was größtenteils auf meiner Annahme beruhte, dass ein torii immer eine Größe hat, so dass man hindurch könnte. Dieses hier auf dem „Ehemann“-Felsen ist allerdings klitze-klitze-klein. Ein bisschen Schummelei also *lach*

Um die Felsen sehen zu können, geht man erst an einem Strandstück und dann direkt an einer kleinen Klippe entlang. Ein Shinto-Schrein schmiegt sich ins Gestein, Verkaufsstände vorrangig für Liebes-Glücksbringer reichen sich aneinander, dazwischen gibt es rohen Seeigel zu kaufen. Am nächsten Schreingebäude, von dem man dann endlich auf Meoto-Iwa blicken kann, wird gebetet und lautstark die Schreinglocke betätigt, damit die Götter auch ja auf das Gebet der Bittenden aufmerksam werden. Die Stimmung ist fröhlich aber auch ein bisschen andächtig.

Der Fußweg zum nächsten Bahnhof ist weit und etwas umständlich, aber ich würde immer und immer wieder dorthin fahren ^^ Wenn man dort steht und auf die beiden, durch ein heiliges Band verundenen Felsen blickt, kuschelt man sich etwas näher an seinen Partner oder blickt mit der besten Freundin positiv in Richtung Zukunft, dass Mr. Right irgendwo da draußen wartet *lach* Aber auch einfach so ist es ein schöner Ausflug.

Japans Kanaldeckel: Okazaki, Teil 2
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Japans Kanaldeckel: Okazaki, Teil 2

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Heute ist ein gutes Beispiel dafür, dass oft aus „mal schnell einen Blogpost vorbereiten“ eine Abenteuerreise durchs Internet wird, bei der man jede Menge Neues entdeckt und lernt ^^ Denn ich wollte den nächsten Kanaldeckel zeigen und nur einen Satz dazu verlieren, was man darauf sieht. Da ich mich aber in Okazakis Geschichte nicht gut genug auskenne, musste ich erst nachforschen, was es mit dem Schiff, das vor der Burg dargestellt ist, auf sich hat.

Es handelt sich um das sogenannte „50.000 Steine Schiff“, das sogar in einem Volkslied besungen wird: 「五万石でも岡崎さまは、お城下に船が着く」. Grob geht es darum, dass das Schiff unterhalb der Burg anlegt. Nun, wie man ja auch auf dem Gullideckel sehen kann *lach* Es gibt dazu auch ein Steinmonument, das ihr zum Beispiel hier sehen könnt, welches sich am Flußufer befindet (und das ich nicht besucht habe, wei ich mit Entsetzen feststellen muss).

Auch ein berühmter Glyzinienbaum im Park der Burg nennt sich „50.000 Steine Glyzinie„. Durch ihn wurde der Blauregen zu Okazakis Wahrzeichen. Aber dazu ein ander Mal mehr ^^

Und somit habe ich mich eine halbe Stunde mit meiner japanischen Zweitheimat UND der Sprache auseinander gesetzt, während ein neuer Post fertig ist. Jede Menge Fliegen mit einer Klappe (^^)v

Eine japanische Wedding Chapel, die ein gefühl von Toskana vermittelt.
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Heiraten im Toskana-Style

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Über Japaner und ihr Religionszugehörigkeitsgefühl wird manchmal leicht spöttisch gesagt, sie würden als Shintoisten geboren, stürben als Buddhisten und heirateten christlich. Letzteres bezieht sich auf den modernen Trend in sogenannten Wedding Chapels statt am Shinto-Schrein zu heiraten. Es handelt sich dann tatsächlich nicht um eine christliche Zeremonie, wie man sie bei uns kennt, doch viele Elemente daraus, die als romantisch empfunden werden, wurden übernommen.

Wedding Chapels gibt es in unterschiedlichen Stilen, sind aber immer leicht erkennbar, da ihr Baustil im Vergleich zu den japanischen Häusern runum sehr stark heraussticht. Hier handelt es sich um ein Exemplar, das mich an Italien und die Toskana denken lies.

Eine japanische Wedding Chapel, die ein gefühl von Toskana vermittelt.

Es gibt unzählige Agenturen, die darauf spezialisiert sind, die perfekte Traumhochzeit zu organisieren. Leider weiß ich nicht all zu viel über die Thematik und wäre sehr neugierig, was meine Leser, die tatsächlich in Japan geheiratet haben, dazu zu erzählen hätten. Habt ihr klassisch shintoistisch geheiratet oder in einer Wedding Chapel? Wie läuft so ein Tag dort ab? Würdet ihr es wieder so machen?