Eine Sprachschule in Japan besuchen – ja oder nein?

Von Oktober 2009 bis Juni 2010 habe ich die Yamasa Sprachschule in Okazaki besucht. Der Grund: Ich konnte an der Uni keinen der begehrten Stipendienplätze für ein Austauschjahr an einer japanischen Uni ergattern. (Und was habe ich geheult wie ein Hund!) Wie das aber oft so ist, stellte sich im Nachhinein heraus, dass dies für mich genau richtig gewesen war. Was eine schamlose Untertreibung ist, denn diese neun Monate waren die bisher beste Zeit meines Lebens. Ob der Bersuch einer Sprachschule in Japan auch das Richtige für dich ist? Ich versuche nach bestem Wissen und Gewissen bei der Entscheidung zu helfen.

Gründe, nach Japan zu gehen

Du studierst also etwas, das mit Asien zu tun hat, und überlegst für eine Zeit nach Japan zu gehen? Vielleicht arbeitest du auch, schaust in deiner Freizeit aber unglaublich gern Animes und hast das Bedürfnis, dies auch im Original tun zu können? Du hast dich in einen Japaner/eine Japanerin verliebt und nun wird es Zeit endlich auch in einer gemeinsamen Sprache sprechen, streiten und lieben zu können?

Die Gründe, längere Zeit in Japan bleiben und dabei die Sprache lernen zu wollen, sind vielfältig. Und spielen meiner Meinung nach eine große Rolle bei der grundlegenden Entscheidung, ob du eine Sprachschule in Japan überhaupt in Erwägung ziehen solltest.

Ausgangssituation

Für alle Studenten, bei denen der Besuch einer ausländischen Uni Pflicht ist, oder die ein (Teil-)Stipendium für einen Austausch erhalten haben, liegt klar auf der Hand: Ab an die Uni mit euch. Das wird mit Sicherheit eine grandiose Erfahrung, mit tollen Bekanntschaften und ein Eintrag im Lebenslauf mit „Studium an der XY Universität“ kommt mich Sicherheit auch gut :D

Wer aber ohne Stipendium oder verpflichtenden Unibesuch da steht und zum Beispiel zwischen Bachelor und Master seine Sprachkenntnisse verbessern möchte, der sollte unbedingt eine Sprachschule zumindest in Erwägung ziehen.

Ziel des Aufenthalts

Was genau möchtest du mit deinem Japanaufenthalt erreichen? Wenn du am liebsten das ganze Land sehen und reisen möchtest, sind vielleicht ein Working Holiday oder ein WWOF Aufenthalt eher das richtige für dich. Möchtest du so richtig einen Fuß bei einem japanischen Unternehmen in die Tür kriegen, kann ich mir ein Praktikum gut für dich vorstellen. Wenn das Erlernen des Japanischen dein Fokus ist, dann ab an eine Sprachschule für einen längerfristigen Sprachkurs. Denn das ist der große, nicht klein diskutierbare Pluspunkt eines Studiums an einer Sprachschule:

Der Fokus auf die Sprache

Bei Yamasa hatte ich fünf Tage die Woche Unterricht. Das heißt ich habe Japanisch gelernt, mehrere Stunden täglich. Ich war gezwungen, mich mit der Sprache auseinander zu setzen (es gab tägliche Mini-Tests), und musste sie tagtäglich aktiv verwenden (der Unterricht erfolgte komplett auf Japanisch). Vorrücken ins höhere Level konnte nur, wer sich aktiv verbesserte und Klausuren bestand.

Im Gegensatz dazu habe ich zum Beispiel von Austauschstudenten gehört, die an der japanischen Uni nur englische Seminare und Vorlesungen besuchten und dazu noch ein, zwei Mal die Woche Sprachkurs hatten. Das ist natürlich von Uni zu Uni unterschiedlich und das eigene Engagement spielt eine große Rolle. Doch so kann es laufen und lässt viel Raum offen, der Sprache möglichst aus dem Weg zu gehen. Und solange man sich unsicher mit dem Japanischen ist und ein bisschen ein schüchterner Typ, macht man das nur zu gerne. Und ich spreche bis heute aus Erfahrung.

Meinem Japanisch hat der neunmonatige Aufenthalt unglaublich gut getan und meine Sprachkenntnisse auf ein ganz neues Level gebracht. Die Wahrheit ist: Ohne die Zeit in Japan, hätte ich die Sprachkurse danach an der deutschen Uni wohl nicht bestanden.

Kosten für einen Sprachaufenthalt

Eine Sprachschule kostet Geld. Unter Umständen richtig viel. Je nachdem, welche man wählt, gibt es keine Studentenwohnheime und so kommen zum Beispiel im Vergleich zum Uniaustausch erhöhte Lebenserhaltungskosten auf einen zu, weil man eine reguläre, teure Wohnung mieten muss (ganz zu schweigen von dem Aufwand, als Ausländer eine zu bekommen, wenn man nicht auf einen Service zurückgreifen möchte, der eben genau ausländischen Schülern ermöglicht, für eine Weile unter zu kommen).

Bei der Berücksichtigung der Kosten muss man natürlich berücksichtigen, dass die Lebenserhaltungskosten in Deutschland während des Auslandsaufenthalts natürlich größtenteils wegfallen. Kommt man mit einem Working Holiday Visa nach Japan, kann man sich sogar nebenher auf die Suche nach einem Job machen (Sprachunterricht, McDonald’s o.ä.). Mittlerweile kann man es auch wie ein Digitaler Nomade machen und mit einem Online Business auch aus dem Ausland arbeiten. Alles in allem ist es also keinesfalls unbezahlbar.

Kostenbeispiel anhand meiner Erfahrung bei Yamasa

Mit Yamasa hatte ich unglaubliches Glück. Die Gebühren sind bezahlbar und es wird günstiger, sobald man mehr als ein Semester (3 Monate) bleibt. Und das sollte man dringend :D

Beispiel: Das 1. Semester für den Langzeitkurs schlägt noch mit circa 2.500 € zu Buche, während es ab dem 3. nur noch etwa 1.600 € für drei Monate täglichen Unterrichts sind.

Die Schule bietet diverse Unterkünfte für unterschiedliche Geldbeutelgrößen an: vom Mehrbettzimmer im Student Village (200 € im Monat) bis zum modernen 1-Zimmer-Apartment in Villa 5 (650 € im Monat). Letzteres kostet zwar mehr Miete, man spart aber im Winter ungemein an Heizkosten im Vergleich zu einigen der älteren Unterkünfte. UND keine Kakerlaken ;)

Da die Schule sich im Vergleich zu Tokio oder Osaka in einer „Kleinstadt“ befindet, hat man keine tägliche Pendelzeit oder Kosten dafür. Man kann jeden Morgen bequem zur Schule gehen und somit fallen keine Kosten für eine Fahrkarte an.

Wer lernt grundlegende japanische Gerichte zu kochen und sich an die heimischen Gemüsesorten herantraut, kommt auch essenstechnisch recht günstig um die Runden. Und zur Not gibt es eben Reisbällchen für 100 Yen aus dem Konbini.

Es kommt also ganz auf einen selbst an, worauf man bei seinem Japanabenteuer wert legt. Muss es die Großstadt sein? Wie lange kann man bleiben? Wie komfortabel möchte man wohnen?

Reisen im Land, während man eine Sprachschule besucht

Wer schon mal in Japan ist, möchte natürlich auch etwas vom Land sehen. Wie weiter oben gesagt, wer seinen Fokus komplett darauf legt, sollte eine andere Möglichkeit in Betracht ziehen als einen längeren Sprachkurs an ein und demselben Ort. Aber wie sieht es mit dem Reisen aus, während man an einer Sprachschule in Japan studiert?

Das geht! Im Land der aufgehenden Sonne gibt es fast überall etwas schönes zu sehen. An den Wochenenden kann man die nähere Umgebung erkunden: Die eigene Stadt, Ausflüge in die nächstgrößere machen, wandern gehen, eine Teerösterei oder Sake Brauerei besuchen, einen größeren Schrein in der Nähe (da findet sich immer einer). In den Semesterferien ist dann genug Zeit um auch mal weiter rum zu fahren. So konnte ich während meines Aufenthalts zum Beispiel Ausflüge nach Tokio, Hiroshima, Kobe, Kyoto und Nagano unterbringen. Nagoya hatte ich eh vor der Haustür. Klingt doch gut, oder? (Tipps dazu, wie man als Student möglichst günstig fährt, ein andermal ;D)

Fazit: Sprachschule in Japan – ja oder nein?

Wer sich durch den ganzen Beitrag bis hierher gekämpft hat, erahnt es schon: pauschal lässt es sich nicht beantworten. Es hängt sehr stark davon ab, mit welchem Fokus und unter welchen Voraussetzungen man nach Japan kommt.

Wem es wirklich aus tiefstem Herzen vor allem um die Sprache geht: Dann auch aus tiefstem Herzen von mir ein „Ja!“ Meine neun Monate bei Yamasa waren eine sensationelle Zeit. Und hätte ich vorher gewusst, wie viel es mir persönlich und natürlich für meine Sprachkenntnisse bringen würde, so hätte ich länger gespart und die ganzen zwei Jahre Langzeit-Sprachkurs durchgezogen.

Du weißt aber hiermit davon, wie toll es sein kann. Also überlege es dir gut :)

Gibt es noch Fragen zur grundlegenden Entscheidung, ob Sprachkurs an einer Sprachschule oder nicht, die ich nicht beantwortet habe? Was interessiert dich sonst zu dem Thema? Ich schreibe liebend gern über meine Erfahrungen in Okazaki und helfe gerne weiter.

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Kategorien Sprache

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Ich bin Elisa, Japan ist meine große Liebe und hier erzähle ich davon. Manchmal nostalgisch, immer mit einem wachen Auge und vor allem viel Begeisterung. Als nächstes geht es über Neujahr nach Tokio, Kyoto und auf die Izu Halbinsel.

3 Kommentare zu “Eine Sprachschule in Japan besuchen – ja oder nein?

  1. Hallo Elisa,
    dein Aufenthalt an der Sprachschule scheint super schön gewesen zu sein! Die Schule in Okazaki wirkt auf mich nicht nur bezahlbar, sondern fachlich sehr kompetent. (Die Familie meines Partners lebt in Okazaki, darum schwinge ich hier mal mein kleines Fan-Fähnchen :) )

    Das einzige, was ich bisher an Erfahrungsberichten über Sprachschulen in Japan gehört habe, ist, dass sie unglaublich teuer, kaum bezahlbar und nur für kurze Zeit aufgestellt sind. Das traf allerdings nur auf Schulen im Raum Tokyo zu – dass es dort teuer (und überfüllt von anderen lernwilligen Ausländern) ist, ist ja klar.
    Dass man auch in kleineren Ortschaften wie Okazaki Sprachschulen besuchen kann, wissen viele vermutlich gar nicht. Das sollte man viel mehr supporten, allein schon der finanziellen Machbarkeit halber ;)
    Ich finde übrigens, dass du mit dem Aspekt des Uni Besuches sehr recht hast: Man kann bei einem Auslandssemester dem Japanisch Unterricht gut aus dem Weg gehen, wenn man das möchte… An meiner Uni in Shizuoka waren diese Kurse für mich Pflicht, aber ich habe von vielen Kommilitonen gehört, dass das bei weitem nicht überall der Fall sein muss. Gerade wenn die eigene Uni in Deutschland einen Besuch der Sprachkurse nicht zwingend vorschreibt, kann da die Versuchung groß sein.

    • Dass du Verbindungen nach Okazaki hast, ist ja total lustig. Was für ein Zufall. Ich hatte das Gefühl die Stadt ist eher unbekannt.

      Ich bin dort auch nur über eine Empfehlung gelandet. Hätte ich mir selbst eine Schule gesucht, hätte ich sicherlich eine größere Stadt angepeilt. Dabei war Okazaki ideal. Groß genug, dass man alles bekommt (inkl. der größten Aeon Mall, die ich bisher gesehen habe nur 10 Minuten mit dem Rad von der Wohnung entfernt) aber doch so „klein“ (über 300.000 Einwohner *hust*), dass man im Wohngebiet absolte Idylle und Ruhe hat.

      Würde ich wieder für längere Zeit nach Japan gehen und hätte die Wahl, wäre dies eine meiner ersten Anlaufstellen.

      • Das ist echt ein lustiger Zufall :)
        Witzigerweise werde ich im August für die ersten Wochen mit meinem Freund bei seinen Eltern dort wohnen. Je nachdem wo und wann wir dann eine gemeinsame Wohnung finden, bleiben wir auch in der Nähe. Falls es dich also nochmal dort hin verschlagen sollte, sag Bescheid! :)

        Sehe ich übrigens genauso. Mit 300.000 Einwohnern ist es für unsere deutschen Verhältnisse ja schon eine recht große Stadt… Und die Mega-Aeon Mall gleicht so ziemlich alle Shopping Möglichkeiten aus, die man in größeren Städten hätte ;) Ist meinem Freund nach wohl die größte von Aeon in ganz Japan.
        Ansonsten ist ja Nagoya auch nicht fern :)

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