Die Bücher wurde mir freundlicherweise vom Verlag zur Verfügung gestellt.
Studio-Ghibli-Filme treffen bei mir einen ganz besonderen Nerv. Ja, die Geschichten sind wunderschön zum Träumen und Lachen. Aber da ist auch immer noch etwas Anderes. Seien es fossil anmutende Panzerfische, die bei „Ponyo“ unter der glasklaren Wasseroberfläche ihre Kreise ziehen oder der von einem Fluch zerfressene Ebergott Nago in „Prinzessin Mononoke“. Etwas Ursprüngliches, Ungezähmtes und für mich dadurch bisweilen Grusliges schwingt bei den weltberühmten japanischen Werken mit.
Bei Manga Cult erscheinen gerade zwei Mangareihen, die bei mir ein ähnliches Gefühl von Faszination und Gänsehaut hervorrufen wie Filme aus dem Hause Ghibli: „Quin Zaza – Die letzten Drachenfänger“ und „Somali und der Gott des Waldes“.
Quin Zaza – Die letzten Drachenfänger

Das Luftschiff Quin Zaza hat keinen Heimathafen. Die Crew wurde im Laufe der Jahre aus allen Ecken des Landes zusammengewürfelt und lebt ein entbehrungsreiches Leben an Bord. Einen Hafen steuern die Abenteurer nur an, wenn sie dringend neue Vorräte brauchen oder etwas zu verkaufen haben. Drachenfleisch und -öl, um genau zu sein. Denn die Besatzung der Quin Zaza sind die letzten verbliebenen Drachenfänger.
Es gibt viele unterschiedliche Drachen und man braucht ein besonderes Gespür, Durchhaltevermögen und vor allem Mut, die riesigen, anmutigen Himmelsgeschöpfe zu jagen.
Takita ist neu an Bord und lernt die Welt der Drachenjäger erst kennen. Dabei steht ihr vor allem Mika zur Seite, der kühnste Jäger auf dem Schiff, der nur eins im Kopf hat: Essen.
„Quin Zaza“ von Taku Kuwabara zog mich sofort in seinen Bann. Obwohl man in Band 1 nur wenig über die einzelnen Crewmitglieder erfährt, fand ich mich schnell in den Alltag an Bord ein.
Der Neuling und der Held stehen im Mittelpunkt der Erzählung, dabei finde ich beide bisher nicht so interessant wie das Zusammenspiel der restlichen Besatzung. Vor allem Starjäger Mika denkt wirklich nur ans Essen, was einerseits ein bisschen nervt, aber gleichzeitig den Manga so besonders macht. Denn jedes Kapitel schließt mit einem Rezept. Für Drachenfleisch versteht sich.
Das wunderschöne Cover von Band 1, das mit der Rückseite ein komplettes, stimmungsvolles Bild ergibt, war für mich irreführend. Der dort abgebildete Drache sieht sehr nach dem aus, was ich mir unter einem solchen Fabelwesen vorstelle. Umso überraschter war ich, als fast alle in der Geschichte vorkommenden Tiere eher an schwebende Meeressäuger erinnern. Mit bedrohlichen, anatomischen Auswüchsen, die mich manchmal an die Engel bei „Neon Genesis Evangelion“ denken ließen.

So ist der Manga nicht nur eine Abenteuergeschichte mit einer charmanten Crew, sondern zeitgleich allegorisch zu sehen. Bei jedem einzelnen, gefangenen Drachen blutete mir das Herz, da klar war, dass es nur noch sehr wenige Exemplare davon gibt. Walfang ist nach wie vor ein historisch stark verwurzeltes Thema in Japan. Der Manga zeigt schön, dass von jedem Drachen wirklich alles verwendet und verarbeitet wird und die ganze Crew von der Jagd leben kann. Aber Mikas unersättliches Craving nach Drachenfleisch vermittelt zwischendurch immer wieder den Eindruck, dass für ihn nur egoistischer Genuss Antrieb für seine Handlungen ist.
In der Hinsicht bin ich sehr gespannt, wie die Geschichte sich weiterentwickelt und ob der Lifestyle der Drachenjäger auch hinterfragt werden wird.
Die Abenteuer der Quin Zaza gibt es auch als Anime auf Netflix.
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Somali und der Gott des Waldes

Der Manga „Somali und der Gott des Waldes“ von Yako Gureishi erzählt von einer Suche: das kleine gehörnte Mädchen Somali ist mit einem Golem – einem Hüter des Waldes – unterwegs, um die letzten Menschen zu finden. Diese sind rar seit einem vergangenen Krieg zwischen Menschheit und Monstern. Wenn überhaupt sind die Chancen hoch, sie auf dem Teller eines Monsters wiederzufinden.
Die Suche ist dringend, denn Somalis Hörner sind nur eine Tarnung. Sie ist ein Menschenmädchen, dass der Golem im Wald gefunden hat. Schnell nennt sie ihn Papa und er übernimmt Verantwortung für das unschuldige Wesen. Leider bleibt ihm nur noch ein Jahr zu leben.
Was für eine spannende Welt! Fanatsie- und Fabelwesen, Dämonen und Hexen tummeln sich an jeder Ecke. Der Golem erinnert von seinem Aussehen her an einen Roboter, der einem Skelett nachempfunden wurde. Nicht unbedingt das, was ich mir unter einem Hüter des Waldes vorgestellt hatte und dadurch so faszinierend.
Zwischen Golem und Mensch entwickelt sich schnell eine liebevolle Beziehung, und das obwohl ein Golem eigentlich keine Gefühle im herkömmlichen Sinn haben sollte. Somali streift völlig unbedarft durch diese Welt, die so gefährlich für sie ist und fühlt sich behütet und beschützt. Sie ahnt nicht den dringlichen Grund der Reise.

Die Geschichte wird ruhig erzählt und hat doch immer einen etwas beunruhigenden Unterton. Sie dreht sich um grundlegende Themen wie Zugehörigkeit, den Kreislauf des Lebens und Uneigennützigkeit. Der Zeichenstil ist detailgetreu und üppig, auch beim zweiten und dritten Betrachten entdeckt man noch Neues auf den Bildern.
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