Eine Tasche fürs Shinkansen-Ticket

Ich sage manchmal im Scherz, Japan sei das Land mit dem höchsten Zivilisationsgrad. An alles wird für einen gedacht. Vielleicht dringend nötig in einem Land, in dem Pendler sich zombieartig in riesigen Menschenströmen morgens auf die Lange Reise zur Arbeit begeben. Da nur so wach wie nötig. Um diesen Dämmerzustand so denkunanstrengend wie möglich zu gestalten, gibt es jede Menge kleine Helferlein. Eins davon: eine Tasche fürs Shinkansen-Ticket.

Eine Tasche fürs Shinkansen-Ticket

Ich muss mal wieder zugeben, dass dieses Gimmick eine Entdeckung Christians bei unserem Japan-Aufenthalt 2015 war. Obwohl wir davor schon unzählige mal den Schnellzug genommen hatten, war mir die Tasche noch nie aufgefallen, geschweige denn eine Idee gekommen, wofür sie zu verwenden sei. Dabei ist das eine dieser vielen praktischen Kleinigkeiten, die ich an Japan so sehr schätze. Denn dort steckt man sein Ticket rein und dann…ja genau, schläft man für den Rest der Reise.

Das ist nicht wie bei der Deustchen Bahn, wohl Pendler krampfhaft mit dem Abo-Ticket in der Hand wegknacken oder der Schaffner einen unsanft mit einem Stoß gegen die Schulter aus süßen Träumen holt, damit man dann schlaftrunken seinen Fahrschein aus dem Rucksack kramt. Nein, im Land der aufgehenden Sonne soll der Fahrgast so wenig wie möglich gestört werden (der Zugbegleiter verbeugt sich natürlich auch, bevor er den Waggon wechselt). Deshalb hat das Ticket einen festen Platz und der Schaffner kann sich bedienen, selbst wenn der täglich zwei Stunden einfach pendelnde Salaryman der Beschäftigung nachgeht, die im Überstunden gebeutelten Alltag viel zu kurz kommt: schlafen.

Ticket- Kontrolle im Shinkansen

Generell haben wir festgestellt, dass im Shinkansen viel weniger kontrolliert wird, als noch vor ein paar Jahren. Schon damals war es beeindruckend, wie der Schaffner alle kontrollierten Sitze in einen kleinen Block eintrug, um nach der nächsten Haltestelle nur noch diejenigen Fahrgäste zu kontrollieren, die neu hinzugekommen waren. Mittlerweile verrät ein Blick aufs elektronische Display, ob die Sitzplatzbelegung den Reservierungen entspricht. Wenn dem so ist, wird man als Fahrgast überhaupt nicht mehr belästigt und es wird davon ausgegangen, dass jeder der Anwesenden auch einen Fahrschein für den entsprechenden Platz erworben hat.

Tja, Deutsche Bahn. In your face!


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Kategorien Alltägliches Reisen

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Ich bin Elisa, Japan ist meine große Liebe und hier erzähle ich davon. Meine Japanreisen 2019: im Mai war ich zweieinhalb Wochen an der San-in Küste, im November auf Shikoku. What's next?

4 Kommentare zu “Eine Tasche fürs Shinkansen-Ticket

  1. Ich würde mein Ticket direkt in der Tasche vergessen. Und dann so: Wie komme ich jetzt aus dem Bahnhof? ;)
    Aber ja, wenn man eine Sitzplatzreservierung hat, ist alles schön. Fahrkartenkontrollieren ist ja auch so von gestern. :D

    • Bei mir ist das mit dem Vergessen das Gleiche xD Ich habe da nur einen sehr zuverlässigen Mann an meiner Seite. Dem passiert sowas nicht und er schaut auch gleich noch auf mich ;)

  2. Diese kulturellen Unterschiede beim Zugfahren sind super spannend. Das ist mir letztes Jahr in den USA auch aufgefallen. Dort wird dein Ticket vor Betreten des Bahnsteigs kontrolliert und du erhältst deine Wagennummer. Dann steigst du dort zu und der für diesen Wagen zuständige Schaffner oder die Schaffnerin weisen dir bei Zustieg deinen Sitz zu. Die Karte mit der Nummer enthält deinen Zielort und die steckst du über deinen Sitz. Dadurch sieht der Schaffner immer wo du raus musst und weckt dich notfalls sogar ☺️ Total nett und sehr kundenfreundlich, wie ich finde…

    • Dass sie einen sogar aufwecken, da bin ich mal echt baff. Das hätte ich in USA ehrlich gesagt nicht erwartet.

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