Momentaufnahme: Japanische Pendler

Menschen an Bahnhöfen, so wie hier japanische Pendler (oder auch Reisende), üben eine gewisse Faszination auf mich aus. Ich mag es, solche Fotos wie dieses zu schießen. Es herrscht Ordnung und sogar eine gewisse Ruhe, eigentlich nicht, was man gedanklich mit Pendeln in Japan verbinden würde. Die Leute befinden sich in einem Transitzustand, noch nicht einmal in Bewegung auf dem Weg von A nach B, sondern wartend.

Japanische Pendler

Pendeln ist in Japan der Standard. Laut einer NHK Studie aus dem Jahr 2015 liegt die durchschnittliche Reisezeit am Tag bei einer Stunde und 19 Minuten. Allerdings nicht, wenn man im Großraum der Metropolen wie Tokio oder Osaka lebt. Dort sind es gut und gerne eine Stunde und 42 Minuten. Insgesamt sind über 50% mehr als eine Stunde am Tag in Auto oder öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs. (Quelle)

Bahnhöfe mit Millionendurchsatz

Für uns in Deutschland unvorstellbar sind die Menschenmassen, die sich tagtäglich durch die Ticketgates schieben, einen Platz im nächsten oder auch übernächsten Zug ergattern, die am Bahnhof noch schnell etwas einkaufen oder essen. Allein die Station Shinjuku auf der berühmten Yamanote-Ringline in Tokio hatte im letzten Jahr (2017) einen durchschnittlichen Tagesdurchsatz von 778.618 Fahrgästen am Tag (Quelle). Und das sind nur jene, die JR – also den staatlichen Betreiber – benutzen. Wie in Japan oft üblich, gibt es in Shinjuku mehrere Bahnhöfe, auch von privaten Bahnbetreibern, und so kommt man insgesamt auf über 3,6 Millionen Fahrgäste am Tag, womit Shinjuku sogar im Guinnessbuch der Rekorde steht.

Rush Hour in Japan

Solche Fotos wie meines entstehen natürlich außerhalb der Rush Hour. Eine solche habe ich bisher nicht erlebt. Ja, für deutsche Verhältnisse war es schon mal enger, aber nichts im Vergleich zu den Bildern, die man manchmal sieht. Auf denen japanische Pendler in Züge gequetscht werden, Gesichter an Glasscheiben gepresst, der Arm mit dem Koffer irgendwo zischen anderen Mitfahrenden, kein Rankommen an die Morgenzeitung.

Der deutsche Fotograf Michael Wolfe schießt seit 15 Jahren solche Fotos, die mittlerweile drei Bücher füllen (nur noch gebraucht und ziemlich teuer bei amazon: Tokyo Compression, Tokyo Compression Revisited, Tokyo Compression Three)* Einen ersten Eindruck bekommt man auch auf seiner Website.
Schon ziemlich beklemmend, wenn ihr mich fragt.

Ein Nudelsuppen-Restaurant am Bahnsteig

Hier war es aber ganz anders. Morgens in Shin-Osaka bei strahlendem Sonnenschein. Am Bahnsteig nebenan sieht man eins der typischen soba und udon-Restaurants, in dem es zu jeder Tages- und Nachtzeit Nudeln gibt (jup, auch zum Frühstück). Ein Nudelsuppenrestaurant am Bahnsteig, ich weiß nicht, ob ich jemals darüber hinwegkommen werde, dass es das bei uns nicht gibt. Solche ekiudon- (駅うどん, eki = Bahnhof) und ekisoba-Buden (駅そば) habe ich mehrere fotografiert. Da gehe ich bestimmt wann anders mal noch genauer darauf ein.


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