„Das Geschenk eines Regentages“ von Makoto Shinkai und Naruki Nagakawa.

„Das Geschenk eines Regentages“ – Makoto Shinkai und Naruki Nagakawa [Rezension]

„Das Geschenk eines Regentages“ wurde mir freundlicherweise vom S. Fischer Verlag zur Verfügung gestellt.

Was Makoto Shinkai anfasst, wird zu Gold. Der Regisseur landete mit „Your Name“ einen unvergleichlichen Hit (kommerziell erfolgreichster Anime bis dato). Nun erscheint sein Romandebüt in Deutschland, das er gemeinsam mit Drehbuchautor Naruki Nagakawa verfasste. „Das Geschenk eines Regentages“ erzählt von Katzen, Menschen und deren Beziehungen zueinander. In Japan ist es ein Bestseller. Hat es bei uns auch das Zeug dazu?


Das Geschenk eines Regentages
Makoto Shinkai, Naruki Nagakawa

S. Fischer Verlag
ISBN: 978-3103970678

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„Das Geschenk eines Regentages“ von Makoto Shinkai und Naruki Nagakawa

Ein kleiner, geschwächter Kater liegt ausgesetzt am Straßenrand. Niemand nimmt sich seiner an, seine Kräfte sind kurz davor zu schwinden. Dann taucht eine junge Frau auf und gibt dem Tier Futter, ein Dach über dem Kopf und den Namen Chobi. Er dankt es ihr mit bedingungsloser Liebe.

Ein Blick ins Buch.
Ein Blick ins Buch.

Chobi lernt sein Frauchen Miyu und auch deren Probleme Stück für Stück besser kennen. Ist sie nicht zu Hause, streift er durch die Nachbarschaft und trifft dabei andere Katzen wie die junge Mimi oder den weisen Hund John.

Mimi frisst regelmäßig bei Reina, einer Kunststudentin an der Schule, an der Chobis Besitzerin Miyu arbeitet. So erzählt der Roman noch von weiteren Katzen und den Menschen in ihren Revieren oder bei denen sie wohnen und mehr und mehr Verbindungen werden offenbart oder neu geknüpft.

Der erste Absatz

„Es regnete an diesem Vorfrühlingstag. Feiner, nebelgleicher Regen fiel auf mich herab. Ich lag neben dem Fußweg. Die Menschen, die an mir vorbeigingen, warfen nur einen kurzen Blick auf mich, um dann schnell weiterzueilen.“ (S. 9, Shinkai und Nagakawa, S. Fischer, 2021)

Meine Meinung

Wirkt nach einem Schmöker, liest sich aber schnell weg.
Wirkt nach einem Schmöker, liest sich aber schnell weg.

Meine Erwartungen an das Buch waren hoch. „Your Name“ habe ich mehrfach gesehen und jedes Mal weine ich ein bisschen mehr. Makoto Shinkai weiß, wie er emotional berühren kann, und genau das wünsche ich mir auch von seinen Werken.

Auch bei „Das Geschenk eines Regentages“ habe ich geweint. Ein bisschen. Der emotionale Effekt ist im Roman bei weitem nichts so groß, wie bei Shinkais Filmen. Das mag an der ruhigen Sprache liegen.

Bei „Your Name“ passiert vieles mit Wucht, in „Das Geschenk eines Regentages“ herrscht ein ruhiger Ton, das Buch plätschert angenehm dahin. Die verträumte Sprache, die ehrlich gesagt nicht immer ganz mein Fall war, täuscht aber auf den ersten Blick. Der Roman ist keineswegs so seicht, wie er zunächst wirkt.

Sex, Depression, familiäre Pflichten und was machen mit dem eigenen Leben? Wie definiert sich Glück und wie wichtig sind die Verbindungen zu anderen Menschen dafür. All das findet sich in der vermeintlich romantischen Welt des Buchs wieder.

Das Coverdesign finde ich ansprechend und gut gelungen.
Das Coverdesign finde ich ansprechend und gut gelungen.

Die Perspektive wechselt im Roman immer zwischen Tier und Mensch hin und her. Die Weltsicht der Katzen ist natürlich ein viel einfachere. Für sie besteht das Leben aus Erkunden, Fressen, Schlafen, Kuscheln. Manchmal verstehen sie nicht, was ihre Menschen gerade so bedrückt. Dennoch nehmen sie die Tatsache wahr, dass es Probleme gibt.

Die Probleme, die im Buch aufgeworfen werden, sind – wie in echt auch – nicht immer einfach oder überhaupt lösbar. Fehler und Schicksalsschläge passieren, daran kann auch das Zusammenleben mit einer süßen Katze nichts ändern. Aber ein treuherziges Tier an der Seite zu haben hilft. Und genau das will dieses Buch erzählen.

Ist das Buch sexistisch?

In einer Rezensionen zum Buch kritisierte eine Leserin, dass sie das Buch als sexistisch empfindet. Weil der Alltag einer Frau so nicht aussieht und immer wieder aus Sicht der Katzen erwähnt wird, dass ihre Frauchen hübsch sind. Das habe ich ganz anders empfunden.

Für mich war es ein Ausdruck der bedingungslosen Liebe der Tiere. Denn ihre Sicht auf ihre Frauchen clasht gerne mal mit deren Eigenwahrnehmung. Dabei zeigen Haustiere, wie unwichtig das eigene Aussehen ist, ob der Pulli nun zur Hose passt oder ob die Frisur heute gut sitzt. Die Katzen lieben ihre Menschen so, wie sie sind.

Auf 255 Seiten spinnt sich die Story über vier lose zusammenhängende Geschichten hinweg.
Auf 255 Seiten spinnt sich die Story über vier lose zusammenhängende Geschichten hinweg.

Was den Alltag der Protagonistinnen angeht, spiegelt das Buch Japan gut wieder. Dort besteht das Leben oft fast ausschließlich aus Arbeit. Oder aber die Frau gibt ihren Job auf, übernimmt komplett den Haushalt und das Kochen und die Pflege der (Schwieger-)Eltern obendrein.

Auch wenn bei uns der Weg zu Gleichberechtigung noch immer weit ist, sind die Rollenbilder längst nicht mehr so traditionell wie in Japan. Das erklärt, warum das Buch einem westlichen Leser vielleicht sauer aufstoßen könnte. Und warum ich auch denke, dass es bei uns nicht so ein Verkaufsschlager werden wird wie im Herkunftsland. Auch wenn der Name Makoto Shinkai zieht.

Verfilmung und Manga

Die Geschichte basiert auf Shinkais erstem preisgekrönten Kurzfilm „She and Her Cat“ (dt.: Sie und ihre Katze) aus dem Jahr 1999. Dieser ist leider nicht auf Deutsch verfügbar.

Der Manga zur Geschichte* erschien bereits letztes Jahr bei Egmont Manga und wurde gezeichnet von Tsubasa Yamaguchi.

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Das Geschenk eines Regentages
Makoto Shinkai, Naruki Nagakawa

S. Fischer Verlag
ISBN: 978-3103970678

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Fazit zu „Das Geschenk eines Regentages“

„Das Geschenk eines Regentages“ ist ein ruhiger, bezaubernder Roman, ideal für einen verregneten Tag auf der Couch mit Kuscheldecke und einer heißen Tasse Tee. Und natürlich mit Katze auf dem Schoß.

Trotz der teils sehr ernsten Themen, macht das Buch beim Lesen nicht unangenehm betroffen. Ja, es fühlt sich geradezu locker flockig an, wirkt dann aber nach. Es ermöglicht einen verträumten Blick in die japanische Gesellschaft, ohne deren Probleme außen vor zu lassen.

Ein zweites „Your Name“ ist es nicht und mir der Erwartung sollte man auch nicht an das Buch herangehen.

Wer Katzen und Bücher liebt, holt es sich am besten sofort. Alle anderen warten lieber aufs Taschenbuch. Für 22,00 € bei der gebundenen Ausgabe war es mir persönlich dann doch zu schnell weggeschmökert.

Hast du das Buch gelesen? Lass mir gerne einen Kommentar da, wie es dir gefallen hat.

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Elisa

Über

Ich bin Elisa, Japan ist meine große Liebe und hier erzähle ich davon. Meine Japanreisen 2019: im Mai war ich zweieinhalb Wochen an der San-in Küste, im November auf Shikoku. What's next?

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