Mein Reisebegleiter in Japan dieses Mal: „Die Kirschblütenreise“ von Miki Sakamoto.

„Die Kirschblütenreise“ – Miki Sakamoto [Rezension]

„Die Kirschblütenreise“ wurde mir freundlicherweise vom Weissbooks Verlag zur Verfügung gestellt.

Ich liebe seit Kindertagen Hörspiele. Ein Buch, das sich wie ein solches anfühlt habe ich mit „Die Kirschblütenreise“ von Miki Sakamoto zum ersten Mal gelesen. In schriftlicher Form stellt sich dies dar wie ein Lehrstück, in dem es in erster Linie darum geht, geschichtliche Fakten zu vermitteln. Das war gewöhnungsbedürftig, hat aber dann erstaunlich gut für mich funktioniert. Denn wenn schon Fakten, dann bitte im Rahmen einer generationenübergreifenden Familiengeschichte.


"Die Kirschblütenreise" von Miki Sakamoto

Die Kirschblütenreise
Miki Sakamoto

Weissbooks Verlag
ISBN: 978-3-86337-233-0

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„Die Kirschblütenreise“ von Miki Sakamoto

Naotaro und Yoshi stammen aus einer stolzen Samuraifamilie im Süden Japans. Tradition und feste Regeln bestimmen ihren Alltag, während Japan kurz davor steht zu einem modernen Land zu werden. In eine Zeit der Umbrüche und Kriege mit China und Russland wird Nao hineingeboren. Sie ist zwar nicht der erhoffte Stammhalter, wird jedoch mit Liebe empfangen und großgezogen. Wohlbehütet bekommt sie von den gesellschaftlichen Veränderung zunächst nicht so viel mit, bis das Japan, das ihre Eltern kennen und lieben sich so vehr verändert, dass sich niemand diesen Neuerungen entziehen kann. Nao gehört zur ersten Generation die genauso lernt mit Stäbchen wie mit westlichem Besteck zu essen, die zum einen ins Kabuki-Theater und zum anderen ins Kino geht. Wie alle jungen Menschen wünscht sie sich nichts weiter, als selbst ein glückliches Leben zu führen. Doch die Weltpolitik hängt wie ein drohender Schatten über ihrem Glück.

Der erste Absatz

„‚Die große Zeit wird kommen.‘ Naotaro, der Kunsthändler, war fest davon überzeugt. Seine Augen nahmen wieder einmal den flammenden Glanz der Leidenschaft an. Starker Wille funkelte aus ihnen.“ (Sakamoto, Weissbooks, 2025)

„Die Kirschblütenreise“ von Miki Sakamoto ist ein 360-Seiten-Schmöker.
„Die Kirschblütenreise“ von Miki Sakamoto ist ein 360-Seiten-Schmöker.

Meine Meinung

Miki Sakamotos halbbiographischer Roman „Die Kirschblütenreise“ basiert auf dem Leben ihrer Großmutter Nao. Sie verwendet ihre Vorfahren, um die Geschichte Japans ab 1868 zu erzählen. Damals zwangen die USA das vom Ausland isolierte Inselreich zur Öffnung und leuteten eine neue Ära in Japan ein. Sakamoto schreibt im Nachwort selbst, dass wenige Dokumente aus dieser Zeit erahlten geblieben sind. Einige Charaktere im Buch wurden hinzugefügt, um die Story lebendiger zu machen und mehr Facetten der Periode darstellen zu können.

Das ganze liest sich mehr wie ein Lehrstück als ein klassischer Roman. Du kannst es dir wie ein Hörspiel vorstellen, wo Dinge gesagt werden, die so im echten Leben nie erwähnt würden, damit der Hörer sich besser vorstellen kann, was passiert. Das liest sich dann manchmal ungefähr so. „Ach, du meinst Hokkaidō, Japans zweitgrößte Hauptinsel mit viel wilder Natur und schneereichen Wintern?“ – „Ja, genau. Dort wo die japanischen Ureinwohner leben.“ So würden zwei Japaner natürlich in Realität nie miteinander sprechen.

Das Buch ist die passende Lektüre für die Übernachtung in einer traditionellen japanischen Unterkunft mit Tatami-Fußboden.
Das Buch ist die passende Lektüre für die Übernachtung in einer traditionellen japanischen Unterkunft mit Tatami-Fußboden.

Auch denken alle Charaktere sehr differenziert und stehen allem, was wir im Nachinein als negativ in der Geschichte betrachten, negativ gegenüber. Es wird zwar darauf hingewiesen, dass andere in Japan zu dieser Zeit nicht so dachten und sich schlecht verhielten, aber ein Blick auf so einen Charakter, der nicht auf der hellen Seite der Moral steht, hätte dem Buch mehr Tiefe gegeben.

Das Buch wird deshalb nicht jedermanns Sache sein. Für mich hat das aber dennoch ganz wunderbar funktioniert. Denn reine Fakten kann ich mir schlecht merken. Bettet man diese jedoch in eine Geschichte mit persönlichen Schicksalen ein, prägt sich mir das Geschehen viel besser ein. Lässt man sich also auf diesen „Hörspiel“-Charakter des Buch ein, bekommt man mit „Die Kirschblütenreise“ einen höchst interessanten Einblick in eine der spannendsten Epochen der japanischen Geschichte.

Anmerkung zur Übersetzung. Leider war mir aus dem Impressum nicht ersichtlich, ob Miki Sakamoto das Buch im Original auf Japanisch oder direkt in Deutsch verfasst hat. Als Japanologin habe ich mich manchmal daran gestört, dass Schreibweisen nicht konsequent eingehalten wurden oder Shintō-Schreine als Tempel bezeichnet wurden. Auch ist die Sprache teils sehr altbacken. Daran hatte ich mich beim Lesen aber schnell gewöhnt.


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