„Die Schönheit der Distanz“ wurde mir freundlicherweise vom DuMont-Verlag zur Verfügung gestellt.
Sterben ist in unserer Gesellschaft etwas Abstraktes. Den Umgang damit haben wir größtenteils ausgelagert: an Pflegekräfte, Ärzte und Bestatter. Es folgt gewissen Vorgaben, vor allem im regelbehafteten Japan. Ihre Frau stirbt? Das tut mir leid. Können Sie vielleicht dennoch am Morgenmeeting teilnehmen? Nao-Cola Yamazaki erzählt in ihrem Roman „Die Schönheit der Distanz“ von einer sterbenden Frau Anfang 40 und wie ihr Mann die letzte Zeit mit ihr erlebt. Was für mich abschreckend klang – wollte ich mich wirklich intensiv mit dem Thema beschäftigen? – ist eine wunderschöne Geschichte übers Leben. Und die kleinen Dinge, die es lebenswert machen. Lässt für mich aber auch die Frage offen, warum wir Menschen nicht einfach über die wichtigen Dinge sprechen können?

Die Schönheit der Distanz
Nao-Cola Yamazaki
Übersetzt von Katja Busson
DuMont Verlag
ISBN: 978-3-7558-0074-3
„Die Schönheit der Distanz“ von Nao-Cola Yamazaki
Seine Frau ist krank. Es ist Krebs und eine Aussicht auf Heilung besteht nicht. Seine Tage gestalten sich gleich: wann immer es ihm möglich ist, vebringt er die Zeit im Krankenhaus. Und doch ist kein Tag gleich, da sie immer schwächer und unselbständiger wird. Er hilft ihr, wo es nötig ist und gibt ihr den Raum die Dinge zu tun, die sie selbst tun kann. Er teilt sich den Platz an ihrer Seite mit Schwestern, Ärzten und ihrer Familie. Immer auf höflicher Distanz und doch immer da. Er wechselt zwischen der normalen Welt, in der die Jahreszeiten fortschreiten, in die des Krankenhauses, wo die Zeit stillzustehen scheint und ihm doch unaufhaltbar zwischen den Fingern hindurchrinnt. Obwohl er weiß, dass er sich keine Hoffnung auf eine Wunderheilung zu machen braucht, weigert er sich, die Hoffnung aufzugeben. Am Leben. An der gemeinsamen Zeit. Was bedeutet schon der Tod, wenn es gemeinsame Zeit zu leben gibt?

Der erste Absatz
„Bewegung ist interessant. Wenn man sich auf Bewegung konzentriert, verwischen die Grenzen des Seins. […] Man könnte meinen, die Dinge existieren erst in der Bewegung. Im Stillstand lösen sich ihre Umrisse in der Umgebung auf, nur in der Bewegung zeichnen sie sich ab.“ (Yamazaki, DuMont, 2026)
Meine Meinung
Habe ich geweint? Natürlich habe ich geweint. Zum einen kommen da Erinnerungen hoch. Denn auch ich habe schon erlebt, dass ein Verwandter an Krebs stirbt. Zum anderen war da aber auch ein bisschen Wut darüber, wie wir in unserer Gesellschaft mit solchen Situationen umgehen.
Zurecht fragt der Erzähler des Buchs sich, warum man Urlaub nach dem Tod der Ehepartnerin zugesprochen bekommt statt davor. Zurecht wird er wütend, wenn seine Frau wie jemand behandelt wird, der keine eigenen Entscheidungen mehr treffen kann. Als ginge es nicht um sie, ihr Leben, ihren Tod.

Das Buch ist eine geschönte Darstellung einer Krebserkrankung. Sicherlich gibt es unschöne Szenen, doch die Würde, die seine Frau als Kranke und Sterbende an den Tag legt, erscheint mir unrealistisch. Vielleicht habe ich auch keine Ahnung, wie weit der japanische Zwang der aufrechtzuerhaltenden Fassade geht. Er bröckelt hier nie. Höflichkeit und Etikette werden über die wichtigen Dinge gestellt. Das hat mich gestört.
Mehr jedoch hat die Geschichte mir positive Denkanstöße gegeben. Vor allem wenn es darum geht,w as das Leben lebenswert und würdevoll macht. Dass Pfelege nicht bedeuten muss, den Patienten als unmündig zu behandeln. Dass Liebe nicht erdrückend sein muss, um sichtbar zu sein.
Alles in allem ein schöner Roman, den ich in kürzester Zeit weggelesen habe.
PS: Wenn du täglich ein Stück Japan in deinen Social-Media-Feeds und dich mit anderen Japan-Fans austauschen möchtest, folge mir auf Facebook, Instagram, Twitter und Pinterest.
Noch mehr Neuigkeiten, Infos, Lustiges und Skurriles gibt es jeden Montag im Japanliebe Newsletter. Trag dich gleich ein und lerne Japan mit mir kennen.

0 Kommentare zu “„Die Schönheit der Distanz“ – Nao-Cola Yamazaki [Rezension]”