Der Eingang zum Tenman-gu Schrein in Hōfu ist gesäumt von Steinlaternen.

Tagesausflug: Hōfu

Hōfu – der Geheimtipp, der nicht im Japan-Reiseführer steht

Mein Tag in Hōfu war nicht geplant. Wie auch, findet man die Stadt mit ca. 115.000 Einwohnern, die in ihrer jetzigen Form erst 1936 gegründet wurde, in fast keinem Reiseführer oder Reiseblog. Denn sie hat touristisch nicht viel zu bieten, wobei sich das „nicht viel“ rein auf die Anzahl der Attraktionen bezieht. Die beiden Haupt-Touristenmagnete – Tenjin Schrein und Mōri Garten – machten meinen halben Tag dort zu einem der Highlights meines Aufenthalts in der Präfektur Yamaguchi.

Eine überdachte Einkaufsstrasse auf dem Weg vom Bahnhof zum Hōfu Tenman-gu Schrein säumen viele nostalgische Geschäfte.
Eine überdachte Einkaufsstrasse auf dem Weg vom Bahnhof zum Hōfu Tenman-gu Schrein säumen viele nostalgische Geschäfte.

Tenman-gu Schrein

Japans ältester Tenjin-Schrein in Hōfu

Besuchst du Japans südlichste Hauptinsel Kyūshū ist ein Besuch in Dazaifu am Tenman-gu Schrein Pflicht. Es ist der Hauptschrein aller Tenjin-Schreine. Komisch, denn der Älteste dieser Art befindet sich nirgends anders als in Hōfu. Dem wollte ich auf den Grund gehen.

Der Tenman-gu Schrein in Hōfu.
Der Tenman-gu Schrein in Hōfu.

Beides hat mythologische Gründe. Verehrt wird in Tenjin-Schreinen die göttliche Form des Gelehrten Sugawara Michizane, der 901 aus Kyōtō nach Kyūshū verbannt wurde. Seine letzte Station, bevor er sein südliches Exil erreichen sollte, war der Ort, wo sich heute Hōfu befindet. Michizane starb kurze Zeit später im Exil auf Kyūshū und am Tag seines Todes erschien in Hōfu eine Lichtsäule, weshalb man dort den ersten Tenman-gu Schrein ihm zu Ehren errichtete.

Als man in Dazaifu seine Leiche abtransportieren wollte, streikte der Ochse, der den Karren zog. Auch dies interpretierte man als Zeichen und so entstand dort der Tenjin-Hauptschrein.

Der Legende nach streikte der Ochse beim Abtransport von Tenjins Leiche und legte sich hin. Deshalb findet man an Schreinen ihm zu ehren oft Ochsenstatuen, die Weisheit und Glück verheißen, wenn man sie berührt.
Der Legende nach streikte der Ochse beim Abtransport von Tenjins Leiche und legte sich hin. Deshalb findet man an Schreinen ihm zu ehren oft Ochsenstatuen, die Weisheit und Glück verheißen, wenn man sie berührt.

Leuchtende Farben und Blumenpracht

Selbst wenn dich die Geschichte Michizanes kein Stück interessiert, ist der Tenman-gu Schrein in Hōfu allemal einen Besuch wert. Zu bestimmten Anlässen im Jahr werden die 57 Stufen hoch zum Schrein prächtig mit Blumen geschmückt. Und prächtig ist auch das passende Wort, um die Schreingebäude selbst zu beschreiben. Leuchtendes Rot im Kontrast zu Kupfergrün und kunstvolle Schnitzereien zieren bereits das große Eingangstor.

Zu Festlichkeiten werden die Stufen zum Tenman-gu Schrein mit Blumen geschmückt.
Zu Festlichkeiten werden die Stufen zum Tenman-gu Schrein mit Blumen geschmückt.

Im Innenhof erwarten dich einige ganz besondere o-mamori Talismanne, auf dem ganzen Gelände befinden sich mehrere Nebenschreine, Statuen, Gedenktafeln und ein Teehaus.

Wenn du mehr Infos und Bilder zum Schrein möchtest, habe ich hier einen ganzen Artikel nur dem Tenman-gu in Hōfu gewidmet.

Öffnungszeiten & Eintritt

Hōfu Tenman-gu Schrein

Täglich geöffnet
Adresse: 14-1 Matsuzaki-cho, Hōfu

Eintritt frei

Hoshoan Teehaus

9:30~16:00
Geschlossen: 31.12.

Eintritt (inkl. Tasse Tee): 500 Yen


Mōri Garten & Museum

Japans schönster Garten? Der Mōri Garten in Hōfu

Gleich mal ehrlich vorweg: Ich bin ein Banause, was japanische Gärten angeht. Zwei der drei schönsten in Japan habe ich bereits besucht (in Okayama und Kanazawa) und fand beide schön. Joa. UNESCO Weltkulturerbe-Garten in Kagoshima. M-hmmm. Nice, aber…

Blick auf die Wahrzeichen des Mōri Garten in Hōfu: Brücke und Steinlaterne.
Blick auf die Wahrzeichen des Mōri Garten in Hōfu: Brücke und Steinlaterne.

Mein Herz zum Schlagen bringen nicht so sehr weitläufige, grünflächige Gärten, als vielmehr jene, die dicht bewachsen und abwechslungsreich sind. Und der Mōri Garten in Hōfu brachte genau dadurch alles in mir zum Summen. Stundenlang hätte ich nur dort sitzen und schauen können. Neue Perspektiven, egal um welche Ecke man biegt. Er schmiegt sich perfekt in die umliegende Landschaft und integriert diese ins Design. Obwohl er komplett durchgeplant ist, wirkt er wild, ungezähmt und eigensinnig. Für mich Japans schönster Garten bisher.

Den japanischen Besuchern ging es wie mir: ich hätte Stunden im Mōri Garten verbringen können.
Den japanischen Besuchern ging es wie mir: ich hätte Stunden im Mōri Garten verbringen können.

Ein Paradebeispiel der Taisho-Ära

Der Garten entstand in der Taisho-Ära (1912–26) und zeigt typische Design-Trends der damaligen Zeit. Zum Beispiel das erwähnte „borgen“ der umliegenden Landschaft (das Prinzip nennt sich shakkei 借景), allem voran der Silhouette des Tatara Berges. Das Fundament einer Rundbogenbrücke wurde aus Zement Gegossen, ein neuartiges Material Anfang des 20. Jahrhunderts.

Eine Bogenbrücke überspannt einen der Teiche im Mōri Garten.
Eine Bogenbrücke überspannt einen der Teiche im Mōri Garten.

Neben dem Garten befindet sich das Mōri-Museum, das sich ganz der Geschichte des Mōri-Clans widmet.

An den Mōri Garten angrenzend befindet sich die Mōri-Residenz, die ein Museum beherbergt und zusätzlich Eintritt kostet.
An den Mōri Garten angrenzend befindet sich die Mōri-Residenz, die ein Museum beherbergt und zusätzlich Eintritt kostet.
Auch wenn man sich entscheidet, kein Geld für das an den Mōri Garten angrenzende Museum auszugeben, bildet die Residenz einen schönen Hintergrund zum üppigen Grün.
Auch wenn man sich entscheidet, kein Geld für das an den Mōri Garten angrenzende Museum auszugeben, bildet die Residenz einen schönen Hintergrund zum üppigen Grün.

Öffnungszeiten & Eintritt

Mōri Garten & Museum

Täglich geöffnet
Adresse: 1 Chome-15-1 Tatara, Hofu, Yamaguchi 747-0023

9:30~17:00
Geschlossen: 22.12–31.12.

Eintritt:
nur Garten 400 Yen
nur Museum 700 Yen (inkl. Sonderausstellung 1.000 Yen)
Garten + Museum 1.000 Yen (inkl. Sonderausstellung 1.200 Yen)

50% Ermäßigung für Schüler & mit Behindertenausweis


Reiseinfos

Anreise mit dem Zug (JR)

Ab Yamaguchi ca. 60 Minuten, ab 590 Yen
Ab Yuda Onsen ca. 57 Minuten, ab 510 Yen
oder als Zwischenstopp zwischen Hiroshima und Fukuoka (Umstieg in Shin-Yamaguchi)

Mein Tipp: Hōfu erkundet man am besten auf dem Rad.

Fahrradverleih

Direkt im Bahnhof befindet sich die Touristeninformation. Dort gibt es Leihräder.
Normal: bis 4 h 200 Yen, ab 4 h 400 Yen
E-Bike: bis 4 h 300 Yen, ab 4 h 500 Yen

Täglich geöffnet
9:00~18:00

Zu Fuß

Zum Tenman-gu Schrein ab Bahnof ca. 20 Minuten
Zum Mōri Garten ab Bahnof ca. 35 Minuten
Zwischen Tenman-gu Schrein und Mōri Garten ca. 20 Minuten

Bus zum Mōri Garten & Museum

Ab Bahnhof: Bushaltestelle Nr. 2
Bocho-Bus in Richtung Amida-ji
Aussteigen an der Haltestelle Mori Hontei Iriguchi, ab dort 5 Minuten zu Fuß


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Kategorien Reisen
Elisa

Über

Ich bin Elisa, Japan ist meine große Liebe und hier erzähle ich davon. Meine Japanreisen 2019: im Mai war ich zweieinhalb Wochen an der San-in Küste, im November auf Shikoku. What's next?

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4 Kommentare zu “Tagesausflug: Hōfu

  1. Ich will da jetzt sofort hin 😢😢😭so schöööön entschleunigt. Toller Artikel <3

  2. Ich habe von Hōfu ehrlich gesagt auch noch nie gehört, aber dieser Artikel weckt direkt die Reiselust.
    Habe vor wenigen Tagen mit dem Mori Clan Total War Shogun 2 durchgespielt, deswegen würde ich mir das Mori Museum wenn ich in Hōfu bin gerne mal anschauen 😂.
    Hōfu kommt auf jeden Fall auf meine Reiseliste!

    Super Artikel!

    • Haha, wie cool. Hätte ich das Spiel auch mag gespielt, dann hätte mich das Museum vielleicht auch mehr interessiert.

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