So kannst du den japanischen Kaiser sehen

So kannst du den japanischen Kaiser sehen

Einmal im Leben den Tennō, den japanischen Kaiser sehen. Was völlig unmöglich klingt, ist mit etwas Planung tatsächlich möglich. Ich hatte bisher zwei Mal das Vergnügen mit Kaiser Akihito. Verrückt, wo das vor vielen Jahren ein Familienscherz war, als bei mir die ersten Überlegungen aufkamen, Japanologie zu studieren und eine Zeit lang in Japan zu leben. „Wink dem Kaiser von mir“, sagte mein Papa lachend. Und genau das habe ich getan. Und so kannst du das auch:

Wo kann man den japanischen Kaiser sehen?

Der japanische Kaiser lebt mit seiner Familie im kaiserlichen Palast im Herzen von Tokio. Dieser ist der Öffentlichkeit normalerweise nicht zugänglich, einen Teil des Geländes kannst du aber im Rahmen einer kostenlosen Führung sehen. Dennoch lohnt es sich bei einem Tokio-Besuch in jedem Fall dort vorbei zu schauen, weil man auch von außen sehr hübsche Bilder schießen kann.

An zwei Tagen im Jahr jedoch werden die Tore geöffnet und die kaiserliche Familie tritt vors Volk.

Die Menge wartet – mit Japanflaggen ausgestattet – auf die Neujahrsansprache des japanischen Kaisers.
Die Menge wartet – mit Japanflaggen ausgestattet – auf die Neujahrsansprache des japanischen Kaisers.

Wann kann man den japanischen Kaiser sehen?

Diese zwei Tage, an denen man dem Tennō winken kann, sind festgelegt:

  • 2. Januar (wegen Neujahr)
  • 23. Februar (Geburtstag des Kaisers)

Zur Amtszeit von Kaiser Akihito waren es noch der 02.01. und 23.12., doch mit dem Amtswechsel werden es für die Reiwa-Ära der 02.01. und 23.02. sein.

Damit ändert sich in Japan auch ein offizieller Feiertag, der zum Geburtstag des Kaisers. Nächstes Jahr in 2020 tritt ein Sonderfall in Kraft: der Geburtstag des Kaisers fällt auf einen Sonntag. Ist dies in Japan der Fall, ist stattdessen der darauffolgende Montag arbeitsfrei. Leider weiß ich nicht genau, ob der Kaiser dann am Sonntag oder Montag vors Volk treten wird. Planst du eine Reise für Februar 2020, informiere dich bitte auf der Webseite des kaiserlichen Hofamts.

Am Geburtstag könnt ihr den Kaiser zu folgenden Uhrzeiten sehen:
10:20 Uhr, 11:00 Uhr und 11:40 Uhr
Einlass: 9:30–11:20 Uhr

An Neujahr könnt ihr den Kaiser zu folgenden Uhrzeiten sehen:
10:10 Uhr, 11:00 Uhr, 11:50 Uhr, 13:30 Uhr und 14:20 Uhr
Einlass: 9:30–14:10 Uhr

Hinweis: Es kommen sehr viele Menschen, um den Kaiser zu sehen. Komme lieber früh und mach dich auf eine lange Wartezeit gefasst. Toiletten gibt es vor Ort, aber keinen Konbini oder ähnliches direkt in der Nähe, also bring dir Verpflegung mit.

Wie läuft der Besuch beim Tennō ab?

Zunächst fährst du zur Station Tōkyō, dem Hauptbahnhof von Tokio. Dort versorgst du dich am besten noch mit etwas zu trinken und einem Reisbällchen. Dann begibst du dich zum Palastgelände. Es gibt mehrere Eingänge, am einfachsten findest du hin, wenn du der folgenden Karte folgst.

Die eingezeichnete öffentliche Toilette war immer nochmal mein letzter Bedürfnisstop, danach reihst du dich in die Menschenmassen ein und folgst den Anweisern. Mit etwas Glück werden japanische Flaggen verteilt, so eine kannst du dir kostenlos nehmen, um damit später der Kaiserfamilie zu winken.

Wer den Tennō sehen will, muss viel Geduld mitbringen.
Wer den Tennō sehen will, muss viel Geduld mitbringen.

Jetzt heißt es zunächst Geduld haben. Bevor du das Palastgelände betreten darfst, musst du durch eine Sicherheitskontrolle, bei der deine Tasche kontrolliert wird.

Aus Sicherheitsgründen werden die Taschen der Besucher kontrolliert.
Aus Sicherheitsgründen werden die Taschen der Besucher kontrolliert.

Hinweis: Große Koffer sind nicht erlaubt! Diese schließt du besser vorher in einem Schließfach am Bahnhof ein oder lässt sie nach Möglichkeit im Hotel.

Alles läuft geordnet ab, man reiht sich ordentlich ein.
Alles läuft geordnet ab, man reiht sich ordentlich ein.

Nach der Sicherheitskontrolle bewegst du dich langsam über die Nijubashi Brücke und landest letztendlich auf dem Vorplatz des Kaiserpalastes. Du kannst dich nicht verlaufen, weil du einfach wie ein Lemming mit den Tausenden anderen mitgehst.

Die kaiserliche Familie tritt auf einem Glasbalkon vors japanische Volk.
Die kaiserliche Familie tritt auf einem Glasbalkon vors japanische Volk.

Auf dem Hof ist ein Platz in der Mitte am besten. Die kaiserliche Familie wird auf den verglasten Balkon treten und der Tennō von dort seine kurze Ansprache halten. In dem Moment, in dem die Familie erscheint, beginnen alle wie verrückt mit den Flaggen zu wedeln und dem Kaiser zuzurufen. Dann solltest du jedoch still sein wegen der Ansprache. Danach darf wieder gejubelt und gewunken werden. Das sieht so aus:

 

Sobald die kaiserliche Familie den Balkon wieder verlassen hat, solltest du das Palastgelände wieder zügig verlassen, weil nach dir wahrscheinlich noch Tausende warten und der Ablauf reibungslos funktionieren muss.

Das war’s! Du hast dem japanischen Kaiser gewinkt und nimmst das Erlebnis hoffentlich als etwas einzigartiges mit, von dem du noch deinen Enkeln erzählen wirst :D

Weiterführende Links

Hast du schon mal etwas derartiges erlebt? (ich war zum Beispiel auch schon beim Papst) Warst du gar beim japanischen Kaiser und hast noch zusätzliche Tipps und Anmerkungen? Dann immer her mit den Kommentaren :)

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Ich bin Elisa, Japan ist meine große Liebe und hier erzähle ich davon. Momentan bewerbe ich mich als Volunteer für die Olympischen Spiele in Tokyo 2020. Im Mai fliege ich zwei Wochen an die San-in Küste.

2 Kommentare zu “So kannst du den japanischen Kaiser sehen

  1. Ich war bisher noch nie in diesem Teil des Kaiserpalastes und habe den alten Kaiser bereits 2x gesehen, das eine mal davon wurde „uns“ sogar zugewunken :)
    Mit etwas Glück kann man den Kaiser also auch an anderen als diesen zwei zu Gesicht bekommen.
    Der Alte und seine Frau haben zum Beispiel auch immer im April einen Spaziergang früh morgens durch den öffentlich zugänglichen Teil gemacht. Möglich dass sie diese Tradition beibehalten wenn ihre Gesundheit nächstes Jahr noch mitspielt.

    • War das dann Zufall? 😱 Und die Tradition mit dem Spaziergang ist ja toll, davon hatte ich noch gar nichts gehört :) Eigentlich auch traurig, dass sie die eigenen Gärten rund um den Kaiserpalast wahrscheinlich nur selten nutzen können, weil der Rummel zu groß ist.

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