Ein japanischer Regionalexpress und eine Bummelbahn nebeneinander.

Zugfahren in Japan – Richtiges Verhalten in öffentlichen Verkehrsmitteln

Fährt man in Japan mit dem Zug, wird man regelmäßig dazu aufgefordert, am Mobiltelefon bitte den sogenannten „Manner Mode“ zu aktivieren. Also den „Manieren Modus“, was nichts anderes bedeutet, als das Handy auf lautlos zu stellen. Obwohl fast alle Fahrgäste auf den Bildschirm ihres mobilen Geräts starren, wirst du keinen Laut, kein Telefonklingeln, keine Whatsapp-Benachrichtigungen hören. Ruft jemand an, lehnt man den Anruf entweder ab oder geht in ein gesondertes Abteil, um zu telefonieren.

All das ist nur ein Beispiel für die vorherrschende Höflichkeit in Japan, die natürlich auch bei der Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel greift. Es gibt mehrere Punkte, an die man sich beim Zugfahren in Japan besser hält. Heute fasse ich zusammen, wie du dich richtig verhältst, ohne unangenehm aufzufallen.

Ein Poster der Japanischen Bahngesellschafft JR wirbt dafür, seinen Platz Älteren und Schwangeren anzubieten.
Ein Poster der Japanischen Bahngesellschafft JR wirbt dafür, seinen Platz Älteren und Schwangeren anzubieten.

Richtig einsteigen

Japan hat ein ausgeklügeltes System, wie du immer vorab schon weißt, wo du dich hinstellen musst, um bei Halten des Zuges direkt einsteigen zu können. Die Bahnen sind perfekt pünktlich und das Aus- und Einsteigen muss schnell gehen, um die Pünktlichkeit aufrecht zu erhalten.

Je nach Shinkansentyp und Zuglänge weisen Aufkleber am Bahnsteig genau darauf hin, wo man sich anstellen muss.
Je nach Shinkansentyp und Zuglänge weisen Aufkleber am Bahnsteig genau darauf hin, wo man sich anstellen muss.

An Shinkansen-Gleisen ist ganz genau beschriftet, welcher Zug wo halten wird, so dass du vorab schon durch deine Reservierung weißt, wo du zum Beispiel für Wagen 15 stehen musst. Ebenso ersichtlich ist, wo sich die Türen der Abteile öffnen werden, in denen man einen umreservierten Platz ergattern kann.

Bahnsteige sind immer ausführlich markiert, so dass man sich immer korrekt für den Zug anstellt.
Bahnsteige sind immer ausführlich markiert, so dass man sich immer korrekt für den Zug anstellt.

Bei Regionalzügen ohne Sitzreservierungen musst du in der Regel das Symbol auf der Anzeigetafel mit denen am Boden abgleichen. So hat der eine Zug zum Beispiel ein Dreieck, der nächste einen Kreis. Wieder ist der Bahnsteig entsprechend markiert, so dass du weißt, wo du dich in die Schlange reihen musst.

Rauchverbot

Ich bin alt genug, um mich an Raucherabteile in den Zügen der Deutschen Bahn zu erinnern. Das waren normale Waggons, nur dass man eben während der Fahrt rauchen durfte. Die Wände waren gelblich, der Geruch noch Jahre nach Einführung des Rauchverbots allgegenwärtig.

So etwas findest du in Japan nicht (mehr). Ganz im Gegenteil! In Japan ist viel stärker reguliert, wo geraucht werden darf. Seit langem gibt es eine überall gegenwärtige Nichtraucher-Kampagne mit den berühmten weiß-grünen Plakaten (dazu ein ander mal mehr).

Allerdings gibt es im Shinkansen Schnellzug extra ein kleines Kabuff, in dem geraucht werden darf, aber ein wie oben erwähntes, dezidiertes Raucherabteil gibt es nur noch ganz ganz selten in ein paar alten Zügen, die aber bis zum Frühjahr 2020 ebenfalls ausgemustert werden.

In Regionalzügen, U- und Trambahnen herrscht striktes Rauchverbot.

Nicht laufen

Dass im Zug nicht gerannt wird, sollte eh klar sein. Doch auch, dass Fahrgäste, die unbedingt noch eine Bahn erwischen wollen, nicht zum Zug laufen sollen, ist den Japanern wichtig. Auch hier gibt es eigene Schilder und eine Posterkampagne dafür beziehungsweise dagegen. „Don’t rush to the train.“ Eigentlich auch unnötig bei der hohen Taklung, mit der Japans Züge, vor allem in den großen Städten, fahren.

Ein Poster weißt darauf hin, dass man an japanischen Bahnhöfen langsam machen soll. Egal, ob man durch dias Ticketgate will oder zum Zug.
Ein Poster weißt darauf hin, dass man an japanischen Bahnhöfen langsam machen soll. Egal, ob man durch dias Ticketgate will oder zum Zug.

Nicht laut sein

In der Einleitung hatte ich es bereits erwähnt: im Zug ist man still. Natürlich werden Gespräche geführt, aber eben in normaler Lautstärke. Wie oft ich ein Handy klingeln oder eine Nachricht empfangen hören habe, kann ich an einer Hand abzählen. Der „Manner Mode“, also das Handy auf lautlos zu stellen, ist goldene Regel in Japan. Durchsagen und Schilder oder Comics erinnern einen auch beständig daran.

Ein typische Zeichen für Priority Seats in japanischen Verkehrsmitteln.
Ein typische Zeichen für Priority Seats in japanischen Verkehrsmitteln.

Priority Seats

Wie auch bei uns in Deutschland gibt es in Japanischen Zügen spezielle Sitzplätze gleich neben der Tür, die für Ältere, Gehbehinderte oder anderweitig körperlich Eingeschränkte, Fahrgäste mit kleinen Kindern und Schwangere gedacht sind. Im Gegensatz zu Deutschland, bleiben diese Sitze oft frei und werden in jedem Fall sofort freigegeben, wenn jemand aus der genannten Personengruppe einen benötigt.

Daran erkennt man Schwangere in Japan

Damit man einen Priority Seat gegebenenfalls für eine Schwangere sofort freigeben kann und auch sonst im Alltag besser auf Frauen in anderen Umständen Rücksicht nehmen kann, bekommen Frauen in Japan von ihrem Arzt einen besonderen Schlüsselanhänger. Dieser zeigt ein rose Herz mit einer Mutter und Baby darin. Darauf steht „In meinem Bauch ist ein Baby“. Der Anhänger kann gut sichtbar an der Handtasche befestigt werden und somit ist die Situation sofort klar.

Im Bereich der Priority Seats sollen Handys möglichst ausgeschalten werden. Rechts im Bild das Zeichen für Schwangere: "Ich habe ein Baby im Bauch."
Im Bereich der Priority Seats sollen Handys möglichst ausgeschalten werden. Rechts im Bild das Zeichen für Schwangere: „Ich habe ein Baby im Bauch.“

„Women Only“-Car

In Japan gibt es sogenannte „Women Only“-Waggons, sprich Abteile nur für Frauen. Dies dient dazu, Schutz vor Grapschern zu gewähren. Bereits am Bahnsteig, oft mit riesigen Aufklebern am Boden, ist markiert, wo der exklusive Frauen-Waggon halten wird. Dabei sind auch Uhrzeiten angegeben (die der Rush Hour entsprechen, in der es besonders voll und eng in der Bahn wird), zu denen das „Women Only“ gilt.

Mit anderen Worten: Außerhalb der angegebenen Zeiten kann jeder den ganzen Zug wie gewohnt nutzen. Innerhalb des Zeitfensters, darfst du als Mann diesen Teil der Bahn nicht betreten.

Essen im Zug

Liest man über Etikette fürs Zugfahren in Japan, wird oft genannt, dass es nicht gerne gesehen wird, in der Bahn zu essen. Das kann ich so nicht bestätigen. Es wird geknackt, Reisbällchen werden verdrückt und es gibt mit ekiben eine ganze Kultur für Lunchboxen, die mit in den Zug genommen und dort verspeist werden.
Wie immer gelten hier natürlich die normalen Regeln der Höflichkeit: ein stinkender Döner (ja, auch sowas gibt’s in Japan) oder laut knuspernde Chips sollten es vielleicht nicht gerade sein. Alles andere ist in Ordnung.

Ich im Shinkansen. Zugfahren in Japan macht mich glücklich xD
Ich im Shinkansen. Zugfahren in Japan macht mich glücklich xD Und in der Tüte habe ich unser Bento für die Fahrt.

Alles in allem ist die Netiquette in Japanischen Zügen gar nicht so viel anders als bei uns. In vielen ist uns das Lieblingsfall meiner Meinung nach in jedem Fall voraus. Dass alle Handys auf lautlos gestellt werden, wünsche ich mir für Deutschland auch. Dass davor klar ist, wo ich mich anstellen muss, damit danach die Zugtür sich genau vor meiner Nase öffnet…genial.

Japan ist für mich ein Zugfahrland und ich könnte allein schon stundenlang nur davon erzählen. Deshalb sei jedem mal wieder ans Herz gelegt, der auch das Land der Reisbällchen besuchen möchte: besorg dir den Japan Rail Pass (und das geht so), es zahlt sich aus.

Findest du Zugfahren in Japan auch so toll und spannend? Gibt es lustige Erfahrungen mit den Öffentlichen im Lieblingsland? Ich freue mich über jeden Kommentar.


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Kategorien Reisen

Über

Ich bin Elisa, Japan ist meine große Liebe und hier erzähle ich davon. Zusätzlich führe ich Reisegruppen durch Japan und habe gerade mein erstes Buch geschrieben.

2 Kommentare zu “Zugfahren in Japan – Richtiges Verhalten in öffentlichen Verkehrsmitteln

  1. Was ich leider nicht bestätigen kann, ist was du über die priority seats schreibst. In Tokyo ist es meiner schwangeren Frau in 9 Monaten genau 3mal passiert, dass jemand für sie aufgestanden ist. Ansonsten haben sich immer alle schlafend gestellt oder starr auf ihr Handy geguckt. Auch dass für ältere Menschen aufgestanden wird, sehe ich in Tokyo fast nie. Das ist in Deutschland definitiv besser.

    Ansonsten kann ich aber bestätigen: Zugfahrten in Japan ist ein Traum, in jeder Hinsicht und auch was die generelle Rücksichtnahme angeht.

  2. Auf Zugfahr-Erikette kann man nicht oft genug hinweisen!

    Allerdings kann man hier auch nicht pauschalisieren. Es kommt immer drauf an wo man fährt und mit was für einem Zug.
    Während zum Beispiel alle Japaner im Shinkansen erstmal ihr Ekiben auspacken (die übrigens für meinen Geschmack stinken), sollte man in den Bahnen im Inneren von Tokyo lieber nicht essen. Was hier höchstens geht ist etwas geruchsbeutrales, nicht krümelndes und nur in leeren Zügen. Sonst bekommt man böse Blicke. Sitzt man aber zum Beispiel in der Sobu Linie Richtung Chiba, sieht das ganze schon wieder anders aus. In Chiba und Kanagawa isst man ohne Probleme. Saitama hingegen.. Da wird das in der Nähe von Tokyo nicht so gern gesehen.
    Und ich wette, in Osaka ist es mal wieder ganz anders ^_-

    Übrigens vetändert sich leider auch Tokyo immer mehr… Es wird häufiger in der Bahn telefoniert (nicht nur hinter vorgehaltener Hand das kurze „ich rufe gleich zurück“) und ich kann fast täglich schon Musik anderer Leute hören..

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