Eine übergroße ema-Wunschtafel läutete Anfang 2018 am Meiji-Schrein in Tokio das Jahr des Hundes ein.

5 Gründe, im Januar nach Japan zu reisen

Plant man die erste Japanreise, gibt es Reisezeiten, die sich besser anbieten als andere, sei es wegen der Temperaturen, Regenzeit, der Möglichkeit für Taifune oder anderen Begebenheiten wie zum Beispiel der Kirschblüte oder dem wunderschönen japanischen Herbstlaub. Liebt man aber Japan so sehr wie ich, gibt es eigentlich zu jeder Jahreszeit Anlass, das Lieblingsland zu bereisen. Deshalb möchte ich dir ab nun zwölf Monate lang alle vier Wochen fünf Gründe an die Hand geben, warum es gerade jetzt eine gute Idee ist, nach Japan zu reisen.

1. Neujahr

Was für uns an Gewichtung Weihnachten, das ist für die Japaner Neujahr. Man fährt in die Heimat zur Familie, viele Geschäfte und Restaurants haben geschlossen und es herrscht Besinnlichkeit, Ruhe und gutes Essen zu Hause. Das heißt aber nicht, dass Neujahr an einem als Tourist spurlos vorbeigeht, wenn man nicht gerade bei einer Gastfamilie oder japanischen Freunden ist. Überall an den Türen findet man traditionelle Neujahrsdeko und wenn es irgendwo überhaupt nicht ruhig zugeht, dann an so ziemlich allen Schreinen und Tempeln.

Dies ist einer der Gründe, warum ich früher schon von Neujahr als Zeitpunkt für eine erste Japanreise abgeraten habe. Es herrscht schrecklicher Trubel, man muss mit vollen Bahnen und stundenlangem Anstehen rechnen. Da sieht man von der großen Schreinen schon mal nicht mehr als ein Meer an sich zum Gebet neigenden Köpfen. Nebenher hört man noch das Klingen der zum Opfer dargebotenen Münzen, die nicht wie gewöhnlich im Opferstock landen sondern zum Beispiel am Meiji Schrein in Tokio auf großen, ausgebreiteten Planen, um dem Menschenandrang Herr zu werden.

Für den ersten Besuch also nicht ideal, als Vielreisende aber war es für mich superspannend.

1.5 Dem Kaiser winken

Eigentlich gehört dies zu 1., da es Neujahr geschuldet ist, dass man überhaupt die Möglichkeit hat, aber da es so unglaublich cool ist, von sich zu behaupten zu können, man habe dem japanischen Kaiser zugewinkt, ist es ein halber eigener Punkt.

Die Menge wartet – mit Japanflaggen ausgestattet – auf die Neujahrsansprache des japanischen Kaisers.
Die Menge wartet – mit Japanflaggen ausgestattet – auf die Neujahrsansprache des japanischen Kaisers.

Jedes Jahr am 2. Januar wird das Grundstück des Kaiserpalastes der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Man kann sich anstellen, einer Sicherheitskontrolle unterziehen und steht dann irgendwann auf dem Vorhof des Palastes und wartet, bis die komplette kaiserliche Familie auf einem Glasbalkon erscheint.

Die kaiserliche Familie bei der Neujahrsansprache des Tennō am 2. Januar 2018.
Die kaiserliche Familie bei der Neujahrsansprache des Tennō am 2. Januar 2018.

Dann wird gewinkt und gejubelt, der Tennō hält eine kurze Ansprache, es wird noch einmal gewinkt und gejubelt und dann wird man auch schon wieder vom Gelände gescheucht. Aber was für ein Erlebnis!

2. Den Kenrokuen Garten in Kanazawa bei Schnee sehen

Der Kenrokuen Garten in Kanazawa an Japans Westküste gehört zu Japans bekanntesten Gärten. Während man bei einem Garten vermuten würde, es macht mehr Sinn im Frühjahr und Sommer das satte Grün zu genießen, wird ein Besuch dort oft im Winter bevorzugt. Und das liegt an den alten Kiefern, die im Kenrakuen stehen.

Der Kenrokuen Garten in Kanazawa ist im Winter besonders faszinierend durch die Seilkonstruktionen, die die Bäume vor zu hoher Schneelast sichern sollen. (Foto: Happy Come | Flickr)
Der Kenrokuen Garten in Kanazawa ist im Winter besonders faszinierend durch die Seilkonstruktionen, die die Bäume vor zu hoher Schneelast sichern sollen.

Foto: Happy Come | Flickr

Damit sie durch die schwere Schneelast in den Wintermonaten nicht beschädigt werden, spannen die Gärtner jedes Jahr gekonnt Seile über die Kiefern. Das Endergebnis wird zusätzlich nach Einbruch der Dunkelheit beleuchtet und sieht dadurch extra romantisch aus.

3. Den Fuji bei klarem Wetter sehen

Gehörst du zu denen, die zwar schon in Japan waren, aber der Fuji war mal wieder sein schüchternes Selbst und hat sich nur hinter Nebel und Wolken versteckt? I feel you. So ging es mir bei den Herbstreisen auch immer. Im Januar hingegen, konnte ich Japans Wahrzeichen fast jeden Tag (!) von irgendwo sehen. Enoshima, Hakone, auf dem Weg nach Kawagoe, am Mishima Skywalk…

Der Mishima Skywalk ist Japans längste Hängebrücke. Bei klarem Wetter hat man von dort aus einen tollen Blick auf den Fuji.
Der Mishima Skywalk ist Japans längste Hängebrücke. Bei klarem Wetter hat man von dort aus einen tollen Blick auf den Fuji.

4. Kirschblüten in Atami

Kirschblüten…im Januar? Ja, du hast richtig gelesen. Obwohl ich selbst kaum glauben konnte, war ich damals durch Kumos Artikel darauf aufmerksam geworden und legte im Januar gleich einen mehrtägigen Stop in Atami ein. Die Stadt ist nur etwa eine Zugstunde von Tokio entfernt und liegt besonders günstig an einem warmen Meeresstrom am nördlichen Ende der Izu-Halbinsel. Ab Ende Januar blühen dort an einem Kanal in der Stadt die ersten Kirschblüten. Tatsächlich war ich schon Mitte Januar dort und die ersten Sakura hatten sich geöffnet.

In Atami blühen die Kirschbäume bereits Ende Januar.
In Atami blühen die Kirschbäume bereits Ende Januar.

Gleichzeitig ist ganz in der Nähe ein Park mit blühenden Pflaumenbäumen. Die Pflaumenblüte findet jedes Jahr vor der Kirschblüte statt, der Ausflug dorthin war also ein Traum, da die Bäume in diversen Farben leuchtend in Blüte standen.

5. Matsuri im Januar

Rund ums Jahr finden in ganz Japan ständig Feste, die sogenannten Matsuri statt. Hier eine kleine Auswahl, was in Japan im Januar an Festen ansteht:

Ebisu Matsuri

Ebisu ist einer der sieben Glücksgötter und er wird rund um den 10. Januar gefeiert. Zu der Zeit im Lieblingsland zu sein, hat mir gezeigt, wie viele Ebisu-Schreine es gibt. Überall wird tagelang gefeiert. So zum Beispiel in Mishima oder auch in Kyoto, wo ein fröhlicher Umzug abgehalten wird.

Bei einem Matsuri in Kyoto werden die sieben Glücksgötter in einem Schiff durch die Stadt gezogen.
Bei einem Matsuri in Kyoto werden die sieben Glücksgötter in einem Schiff durch die Stadt gezogen.

Diverse „Nackten“-feste

Japan ist ja für seine schrägen Feste bekannt (Penis-Matsuri, anyone?) und im Januar gibt es eine große Anzahl solcher, bei denen junge Männer und manchmal auch Frauen etwas mit sehr wenig Kleidung tun…im eiskalten Wasser baden, um etwas glücksverheißendes kämpfen…

Seijin no Hi

Am zweiten Montag im Januar wird der Tag der neuen Erwachsenen gefeiert. Egal wo in Japan ihr an diesem gesetzlichen Feiertag unterwegs seid, werden euch viele junge Frauen in wunderschönen Kimonos begegnen.

Daikoku Matsuri am Kanda Myojin Schrein, Tokio

Rund um den Tag der neuen Erwachsenen findet auch das Daikoku Matsuri am Kanda Myojin Schrein in Tokio statt. Dabei wird ein weiterer der sieben Glücksgötter – Daikoku – geehrt.

Bei einem Matsuri drängen sich die Menschenmassen am Kanda Myojin Schrein in Tokio.
Bei einem Matsuri drängen sich die Menschenmassen am Kanda Myojin Schrein in Tokio.

Den Schrein zu besuchen lohnt sich nicht nur für die Festivitäten sondern auch für die hübschen ema Wunschtafeln, die dort von vielen Anime-Fans selbst bemalt werden.

Der Kanda Myojin Schrein hat viele liebevoll gestaltete ema Wunschtafeln.
Der Kanda Myojin Schrein hat viele liebevoll gestaltete ema Wunschtafeln.

Meine fünf Gründe sind selbstverständlich selektiv und es gibt immer noch viel mehr zu sehen, als das, was sich im Rahmen eines solchen Artikel aufzählen lässt. Ich hoffe, du wirst dadurch dennoch inspiriert und bekommst ein Gefühl dafür, wie wundervoll sich das Land der Reisbällchen im Jahreskreislauf zeigt.

Warst du schon mal im Januar in Japan? Was hat dir besonders gut gefallen und kannst du weiter empfehlen?

Kategorien Reisen

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Ich bin Elisa, Japan ist meine große Liebe und hier erzähle ich davon. Momentan bewerbe ich mich als Volunteer für die Olympischen Spiele in Tokyo 2020. Die nächste Reise ist für 2019 geplant.

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