Japanische shime kazari-Neujahrsdekoration mit einer daidai-Bitterorange in Gion, Kyōto.

Neujahrsdekoration in Japan

Neujahr ist der wichtigste Feiertag in Japan und wird, ähnlich wie bei uns Weihnachten, ruhig und mit der Familie begangen. Früher wurde wie in anderen asiatischen Ländern nach dem Mondkalender gefeiert, doch seit der Meiji-Restauration und der Einführung des gregorianischen Kalenders in Japan fällt der Jahreswechsel dort ebenfalls auf den 31.12./01.01. Dabei darf eine gewisse Neujahrsdekoration natürlich nicht fehlen. So wie es bei uns festsehenden Schmuck wie Christbaumkugeln oder Adventskränze gibt, sind es in Japan Reiskuchen mit einer Orange auf der Spitze, Bambus-Kiefer-Gestecke und Türdeko aus einem Reisstroh-Strick mit weiteren Elementen dekoriert – sogenannte shime kazari.

Neujahrsdekoration in Japan: shime kazari

Ein Yakitori-Restaurant in Tokio mit Neuhjahrsdeko und dem Hinweis, dass es einige Tage geschlossen bleibt.
Ein Yakitori-Restaurant in Tokio mit Neuhjahrsdeko und dem Hinweis, dass es einige Tage geschlossen bleibt.

Unter der Bezeichnung shime kazari (注連飾り, „Heiliges Strohseil“) versteht man kunstvollen Neujahrsschmuck, der als Basis immer ein geflochtenes Seil aus Reisstroh hat. Die Feierlichkeiten zum Jahreswechsel sind in Japan eng mit der Gottheit Toshigami-sama verknüpft, der zuständig ist für die Getreideernte.

Das Strohseil ist eine Miniaturausgabe derer, wie man sie an Shintō-Schreinen sieht und erfüllt dieselbe Aufgabe: böse Geister fern zu halten. Gleichzeitig lädt es Toshigama-sama ins Haus ein.

shime kazari Deko findet man an Neujahr an fast allen Türen und Wänden.
shime kazari-Deko findet man an Neujahr an fast allen Türen.

Die zusätzliche Dekoration variiert, die Bedeutung der einzelnen Elemente ist aber meist Erfolg, Glück, Reichtum, Gesundheit und ein langes Leben. Die prachtvollste Dekoration dieser Art habe ich in der Stadtverwaltung von Tōkyō, dem Metropolitan Government Building gesehen.

Üppige Neujahrsdeko im Rathaus von Tokio.
Üppige Neujahrsdeko im Rathaus von Tokio.

kadomatsu-Bambus-Kiefer-Gestecke als temporäre Wohnstätte der Götter

So symbolisch für das japanische Neujahrsfest, dass es sogar ein Emoji auf deinem Handy dafür gibt 🎍, sind Bambus-Kiefer-Gestecke namens kadomatsu (門松, „Tor-Kiefer“). Wie die Übersetzung vermuten lässt, stellt man sie am Eingangstor des Hauses auf.

Ein kadomatsu-Bambus-Gesteck ist eine traditionelle Neujahrsdekoration.
Ein kadomatsu-Bambus-Kiefer-Gesteck ist eine traditionelle Neujahrsdekoration.

Auch sie stehen wieder in enger Verbindung zur Neujahrsgottheit Toshigami-sama und dienen ganz konkret dazu, ihn zu erfreuen und herbei zu locken, damit er ins Haus kommt und dieses für das nächste Jahr segnet. Das Gesteck wird dabei ein temporärer Unterschlupf für die Gottheit. Auch die Schutzgeister von Ahnen werden so willkommen geheißen.

Die Götter und Geister verbleiben in den kadomatsu je nach Region bis 7. beziehungsweise 15. Januar. Danach wird die Neujahsdekoration verbrannt und kami und Seelen somit wieder voll Dankbarkeit entlassen. Dieses Ritual nennt sich dondoyaki (どんど焼き).

kagami mochi

Sogenannter Spiegel-Reiskuchen mit einer Bitterorange auf der Spitze ist eine klassische Neujahrsdekoration in Japan. (Foto: Midorisyu, Wikimedia Commons https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3547819 CC BY 2.0 https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/deed.en)
Sogenannter Spiegel-Reiskuchen mit einer Bitterorange auf der Spitze ist eine klassische Neujahrsdekoration in Japan. (Foto: Midorisyu, Wikimedia Commons, CC BY 2.0)

Unabdingbar in jedem Haushalt zu Neujahr in Japan ist ein besonderer Reiskuchen: kagami mochi (鏡餅, „Spiegel-Reiskuchen“). Auch hier gibt es wieder die Verbindung zu Toshigami-sama, da mochi nachgesagt wird, darin befände sich der Geist der Reispflanze.

Doch auch die „Spiegelform“ deutet auf einen Zusammenhang mit Japans indigener Religion shintō hin. So ist ein Kupferspiegel eines der drei kaiserlichen Reichsinsignien und spielt eine große Rolle in der japanischen Mythologie.

Zusätzlich soll er das Haus vor Feuer schützen. Bei der traditionellen Bauweise mit Holz und Papier natürlich besonders wichtig.

Bei günstigen Supermarktvarianten von kagami mochi ist die Bitterorange meist durch ein Exemplar aus Plastik ersetzt. (Foto: Nesnad, Wikimedia Commons https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=74619081 CC BY 4.0 https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/deed.en)
Bei günstigen Supermarktvarianten von kagami mochi ist die Bitterorange meist durch ein Exemplar aus Plastik ersetzt. (Foto: Nesnad, Wikimedia Commons, CC BY 4.0)

Wenn vorhanden, wird der kagami mochi auf dem shintoistischen Hausaltar oder einer Schmucknische im Wohnzimmer platziert. Im Idealfall wird er obenauf mit einer Bitterorange geschmückt, deren japanischer Name daidai auch als „Generationen“ verstanden werden kann und somit für Langlebigkeit steht. Da die Bitterorangen teuer sind, ziert oft alternativ eine andere Zitrusfrucht oder gar eine Variante aus Plastik den Reiskuchen. Wichtig ist, dass das Obst noch an einem kleinen Stück Zweig mit Blättern hängt.

Der Reiskuchen bleibt bis zum zweiten Wochenende im Januar stehen. Dann wird er in Einzelteile zerbrochen und für gewöhnlich in Suppe gegessen.


Japanische Neujahrsdekoration ist also eng Verbunden mit alten Traditionen und hat im Gegensatz zu unserem Silvester rein gar nichts mit Party zu tun. Generell mehr zu den Neujahrstraditionen in Japan kannst du auch hier und hier lesen.

Warst du schon einmal zu Neujahr in japan? Wie hat es dir gefallen? Und was hältst du von der Neuhjahrsdeko, trifft sie deinen Geschmack?

Quellen und weiterführende Links zum Thema „Neujahrsdekoration in Japan“

Wiki Corpus: Toshigami (engl.)
Wikipedia: Kadomatsu (engl.)
Matcha: Kadomatsu – Japanese New Year’s Decorations (engl.)
Wikipedia: Kagami-Mochi

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3 Kommentare zu “Neujahrsdekoration in Japan

  1. Liebe Elisa,

    Danke nochmals für dein Japan Content in den weiten des Internet😄🇯🇵

    Ich wünsche dir für das Jahr 2024 schon jetzt alles gute und Gesundheit!

    Beste Grüsse aus der Schweiz, wünscht dir Marc

  2. Marinella Bergant

    Es ist schön wie du uns Elisa die japanische Bräuche näher bringst und damit auch den Japan.
    Ich wünsche dir einen wunderbaren Neuen Jahr

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