Die daihannyakyo Sutras im Schnellverfahren, einfach beim entlanggehen die Zylinder drehen.

Bild der Woche: Erleuchtung im Schnellverfahren

Sterben und Kinderkriegen verboten! Die Insel Miyajima vor Hiroshima ist heilig und in der heimischen Religion shintō ein reiner Ort, der es möglichst auch bleiben soll. Sterben, gebären oder auch menstruieren werden als unrein angesehen und sollten dort wenn möglichst vermieden werden. Schon wenn man mit dem Schiff von Hiroshima nach Miyajima hinüber setzt, sieht man von Weitem das riesige, leuchtend rote torii, ein Schreintor, das bei Flut im Wasser zu schweben scheint. Es gehört zum Itsukushima Schrein, der prägenden Sehenswürdigkeit der Insel (in Kyōto habe ich eine Zweigschrein davon besucht). Tausende strömen täglich über das Gelände der UNESCO-Weltkulturerbe-Stätte und erklimmen danach zu Fuß oder mit der Seilbahn den Gipfel des Berg Misen, um einen Blick über die wunderschöne Inlandssee zu erhaschen. Doch es gibt eine weiteres Highlight auf der Insel, das man sich nicht entgehen lassen sollte: den buddhistischen Tempel Daishō-in 大聖院 (Link zur Website).

Der Daisho-in Tempel auf der heiligen Insel Miyahima vor Hiroshima liegt wunderschön.
Der Daisho-in Tempel auf der heiligen Insel Miyahima vor Hiroshima liegt wunderschön.

Alles und viel davon

Der Daishō-in kostet ein paar Euro Eintritt, die sich aber mehr als lohnen. Das Schreingelände ist weitläufig und bietet vieles zu sehen. Stunden kann man umher wandern und die unterschiedlichen Steinfiguren entdecken. Zunächst die scheinbar unzähligen Jizō-Statuen mit ihren Lätzchen und Mützen. Jizō ist der Schutzpatron der Reisenden und somit auch derer, die den Weg ins Jenseits angetreten haben. Allen voran der vielen abgetriebenen und anderweitig verlorenen Kinder.

Am Daisho-in Tempel gibt es von allem viel, auch von diesen Jizō-Statuen. Viele tragen mützen oder Lätzchen als Erinnerung an verstorbene Kinder.
Am Daisho-in Tempel gibt es von allem viel, auch von diesen Jizō-Statuen. Viele tragen mützen oder Lätzchen als Erinnerung an verstorbene Kinder.

Des Weiteren die 500 Rakan Statuen, von denen jede einen anderen Gesichtsausdruck hat. Die 1.000 fudo myo-o Opfergaben, 33 Abbilder der Reinkarnationen von Kannon, Sandmandala, Heiligenfiguren, Spenden von Gläubigen… Und eine ganze Höhle voller leuchtender Laternen.

Pilgern, Weisheit und Glück im Schnellverfahren

Die Höhle, die durch die von der Decke hängenden Laternen so schön in schummriges Licht getaucht wird, nennt sich henjokutsu. Dort befinden sich die Abbilder aller Haupt-Heiligen der 88 Tempel-Wahlfahrt auf Shikoku. War man in dieser Höhle gilt es genau so, als habe man die wochenlange Pilgerreise auf Shikoku hinter sich gebracht. Wie praktisch ;)

Unzählige Laternen tauchen die henjokutsu Höhle auf dem Gelände des Daisho-in Tempels auf Miyajima in schummriges Licht.
Unzählige Laternen tauchen die henjokutsu Höhle auf dem Gelände des Daisho-in Tempels auf Miyajima in schummriges Licht.

Mit dem gleichen Pragmatismus gehen die Japaner auch an Weisheit und Glück heran, was man beides eigentlich nur durch jahrelanges, aktives Studium von Sutras wie den daihannyakyo 大般若経巻 erreicht. Flotter geht es, wenn man am Daishō-in Tempel die Gelegenheit nutzt und beim Hinaufgehen der Treppen mit der Hand an den drehenden, metallenen Zylindern entlangfährt, die ins Geländer eingelassen sind. Sie zieren das Bild der Woche. Eine jede Rolle trägt die Inschrift eines Sutras. Und die Berührung allein ersetzt das Studium der buddhistischen Verse. Erleuchtung im Schnellverfahren also. Ob es bei mir was genutzt hat?

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