Japanische Getränkeautomaten sieht man selbst in den entlegensten Ecken.

Japanische Getränkeautomaten – 5 Fun Facts

Japan. Das Land der Kirschblüten und Kimono, Samurai und … Getränkeautomaten? Ja, sie gehören im Land der aufgehenden Sonne einfach zum Alltag dazu. So viel hast du bestimmt schon einmal gehört oder bei einer Japanreise sogar selbst erlebt. Heute erzähle ich dir ein paar spannende zusätzliche Fakten und Anekdoten, die du so vielleicht noch nicht wusstest. Hier kommen also meine fünf Fun Facts zum Kuriosum japanische Getränkeautomaten:

1. Japanische Getränkeautomaten gibt es überall

Und wenn ich sage überall, dann meine ich wirklich überall!! Während ich bei Reisen in andere Länder immer Wasser aus dem Supermarkt horte und literweise mitschleppe, ist das in Japan kein Thema. Egal, wo man unterwegs ist, der nächste Automat ist nicht weit. Für 100 bis 200 Yen bekommt man alles von Wasser bis Cola und manchmal zur Not auch eine warme Maissuppe, falls der Magen gerade knurrt.

Es sind durchaus kuriose Getränke dabei, die zum Beispiel größtenteils aus Jelly bestehen und selbst das für Japaner so alltägliche “Calpis” ist für den deutschen Gaumen am Anfang gewöhnungsbedürftig. Also einfach mutig sein und sich durch die breite Palette der angebotenen Getränke (nun ja, und Suppen) probieren.

Japans Automatendichte (nicht nur für Getränke, aber größtenteils) liegt bei circa einem Automaten auf 23 Einwohner (dabei sind Ticket- und Gashaponautomaten nicht eingerechnet). Dies ist die höchste auf der ganzen Welt.

Ein ganz normaler japanischer Getränkeautomat der Firma Coca Cola, wie man ihn in Japan überall antrifft.
Ein ganz normaler japanischer Getränkeautomat der Firma Coca Cola, wie man ihn in Japan überall antrifft.

Dafür gibt es mehrere Gründe. Allem voran die Tatsache, dass es in Japan jedem mit Grundbesitz erlaubt ist, diesen an einen Automatenhersteller zu vermieten. Während man früher die Maschine komplett bezahlen musste, ist es heute nur ein vergleichsweise geringer Initialbetrag. Danach übernimmt die Firma alles, von der Wartung bis zum regelmäßigen Befüllen (siehe Punkt 3 weiter unten). Der Grundbesitzer wird mit einer kleinen Provision beteiligt, die an gut frequentierten Stellen durchaus ein guter Nebenverdienst sein kann.

Hinzu kommt Japans geringe Vandalismusquote, weswegen auch abgelegene und schlecht beleuchtete Orte kein Hindernis darstellen, einen Getränkeautomaten aufzustellen.

Platz für einen Getränkeautomaten ist in der kleinsten Nische, so wie hier an der Fassade einer Reinigung in Fukuoka.
Platz für einen Getränkeautomaten ist in der kleinsten Nische, so wie hier an der Fassade einer Reinigung in Fukuoka.

2. Vorsicht, Bewegungsmelder

Bei so einer Menge Getränkeautomaten kannst du dir vorstellen, dass alles mögliche unternommen wird, um die Aufmerksamkeit der Passanten zu erlangen. Das geht los bei besonders niedrigen Schnäppchenpreisen um die 70 Yen pro Getränk. Manche haben auch ein regional angepasstes Design und auf den neueren Modellen mit großem Touchdisplay geht sowieso dauerhaft die Disco ab. Da gibt es Animationen und Videos, alles um einen zum Kauf zu bewegen.

Egal zu welcher Tages- oder Nachtzeit, in Japan kann man sich immer aus Automaten mit den unterschiedlichsten Getränken versorgen.
Egal zu welcher Tages- oder Nachtzeit, in Japan kann man sich immer aus Automaten mit den unterschiedlichsten Getränken versorgen.

Und dann ist da noch die Sorte, die einem im Dunklen auflauert. Nichts ahnend geht man abends die Straße entlang. Man hängt seinen Gedanken nach, die sich sicher gerade nicht um eine Flasche Cola oder Calpis drehen, als plötzlich schlagartig neben einem ein Getränkeautomat mit Bewegungsmelder seine Festbeleuchtung anmacht und zu sprechen beginnt. Einen kleinen Herzinfarkt später kann man sich dann überlegen, ob man auf den Schock hin vielleicht etwas trinken möchte ;)

Ein typischer japanischer Getränkeautomat mit einer übergroßen Auswahl an Coca Cola.
Ein typischer japanischer Getränkeautomat mit einer übergroßen Auswahl an Coca Cola.

3. So wird nachgefüllt

Getränkeautomaten waren ein beliebtes Thema unter uns Sprachschülern, die wir zum ersten Mal in Japan waren. Vor allem waren wir beeindruckt von der Tatsache, dass sie immer aufgefüllt zu sein schienen. Ein leeres Fach kam selten vor. Wie war das möglich?

Unsere Erklärung war nach einiger Zeit, dass es ein japanweites, unterirdisches Versorgungsnetz für Getränkeautomaten geben musste (klingt plausibel, oder?). Aber, wie wenig überraschend und langweilig, das ist natürlich nicht die korrekte Antwort. Die Automaten werden ganz normal von einer Person geöffnet und befüllt. Dies allerdings meist in aller Frühe bei Morgendämmerung und mit so hoher Regelmäßigkeit, dass selten etwas ausverkauft ist (wobei dies natürlich auch vorkommen kann).

So sieht es aus, wenn ein japanischer Getränkeautomat aufgefüllt wird.
So sieht es aus, wenn ein japanischer Getränkeautomat aufgefüllt wird.

Die Überlegungen zu den Getränkeautomaten hat mich weiter dazu geführt, was für eine unglaubliche logistische Leistung es ist, ständig alle Convenience Stores befüllt zu halten. Dort ist 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche immer alles verfügbar. Ausverkauft? Kommt gefühlt nicht vor. Steht man gerade vor dem Getränkeregal, kann es schon mal passieren, dass einem plötzlich von den Rückseite eine Hand eine Flasche des Lieblingsgetränks entgegenschiebt. Und Mann, bin ich da schon erschrocken xD

4. Störung bei der Geldrückgabe

Aber zurück zum Thema japanische Getränkeautomaten. Jetzt kommt eine meiner Lieblingsanekdoten dazu. Dies ist eine (nicht ganz ernst gemeinte) Warnung: Wenn du in Münzen bezahlen kannst, tu das und verzichte darauf, den Getränkekauf gleich dazu nützen zu wollen, einen 1.000 Yen-Schein klein wechseln. Denn folgendes ist mir passiert:

Ich habe Unterricht an der Sprachschule. Zwischen den Stunden gab es eine kurze Pause, in der ich kurz mit einer Freundin ins Erdgeschoss flitzte, um am Automaten hinter dem Schulgebäude eine Flasche warmen Zitronentee zu ziehen. Leider hatte ich nur einen 1.000-Yen-Schein, aber kein Problem, japanische Getränkeautomaten nehmen ja alle Scheine und Münzen. Schein reingesteckt, die Auswahltaste gedrückt, mit einem Rumpeln landete der Tee im Ausgabefach. Also nur noch schnell auf mein Rückgeld warten. Dann ging es los.

Mittlerweile rar: ein japanischer Getränkeautomat, in dem jedes Getränk nur 100 Yen kostet.

Kling, kling, kling … das Rückgabefach füllte sich unaufhörlich. Denn ich bekam circa 900 Yen in 10-Yen-Münzen ausbezahlt. Welcher Wahnsinn auch immer den Automaten befallen hatte, es rieselte eine Münze nach der anderen. Das Problem allerdings war, dass der Zugang zum Rückgabefach mit einer Plastikklappe versehen war, die sich nach innen (!) öffnete. Was aber nicht mehr möglich war, da das ganze Fach mittlerweile mit Münzen gefüllt war. Schöner Mist!

Gelöst haben wir das Problem mit roher Gewalt. Meine Freundin lehnte sich mit dem ganzen Körpergewicht gegen die winzige Klappe, bis ich mit einem Finger hineinpulen und ein paar Münzen herausholen konnte. Danach ging es leichter, bis der Stau sich auflöste.

Fazit der Geschichte: ich habe nie wieder an diesem Automaten mit einem Schein bezahlt ;)

5. Freie Getränkeausgabe in Notsituationen

Getränkeautomaten dienen nicht nur dazu, dass man sich jederzeit bequem etwas Trinkbares kaufen kann. In Notsituationen, wie zum Beispiel nach Erdbeeben, übernehmen sie eine wichtige Versorgungsfunktion. Manche können per Funk auf freie Ausgabe geschalten werden. Das bedeutet in einer Krisensituation kann man sich, ohne bezahlen zu müssen, mit Flüssigkeit versorgen. Wenn man überlegt, dass in Japan auf 23 Leute ein Automat kommt, ist man zumindest eine Weile sicher, sollte man zum Beispiel festsitzen, weil der öffentliche Nahverkehr ausgefallen ist (wie es nach Erdbeben oft der Fall ist).

Es gibt Getränkeautomaten in Japan, die als Rescue Vendor gekennzeichnet sind. Im Notfall, zum Beispiel nach einem Erdbeeben, geben sie kostenlos Getränke aus.
Es gibt japanische Getränkeautomaten, die als Rescue Vendor gekennzeichnet sind. Im Notfall, zum Beispiel nach einem Erdbeeben, geben sie kostenlos Getränke aus.

Die freie Ausgabe gilt nicht für alle Maschinen, doch es werden zumindest mehr und mehr Anstrengungen unternommen, sie krisensicherer zu machen. So haben neue Modelle einen Hebel, der zur Stromerzeugung genutzt werden kann. 70 Mal kurbeln ist nötig, um sechs bis sieben Flaschen auswerfen zu können (die dann allerdings bezahlt werden müssen), aber immerhin. Auch ohne externe Energieversorgung, ist es möglich an Getränke heran zu kommen.

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Getränkeautomaten in der Häufigkeit, wie sie in Japan vorkommen, sind wirklich eine Besonderheit. Und wenn sie einem nicht gerade einen Berg 10-Yen-Münzen ausspucken, funktionieren sie sehr zuverlässig, auch in Extremsituationen.

Achtung, Verwechslungsgefahr! Rechts ein Getränkeautomat, links einer für dashi-Suppenbrühe.
Achtung, Verwechslungsgefahr! Rechts ein Getränkeautomat, links einer für dashi-Suppenbrühe.

Hast du auch eine lustige oder interessante Geschichte zu japanischen Getränkeautomaten? Ich freu mich wie immer über Kommentare und Anekdoten.

Quellen und weiterführende Links zum Thema “japanische Getränkeautomaten”

tsunagu Japan: Why Are There So Many Vending Machines in Japan? 5 Secrets That Only the Japanese Know (engl.)
Business Insider: Japan’s vending machines tell you a lot about the country’s culture (engl.)

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Kategorien Alltägliches Essen

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Ich bin Elisa, Japan ist meine große Liebe und hier erzähle ich davon. Meine Japanreisen 2019: im Mai war ich zweieinhalb Wochen an der San-in Küste, im November auf Shikoku. What's next?

6 Kommentare zu “Japanische Getränkeautomaten – 5 Fun Facts

  1. Axel Baumann

    Allein für den Strom für die Getränkeautomaten braucht es ein ganzes Atomkraftwerk. Japan könnte schon mal ein Atomkraftwerk sparen, wenn sie auf die Getränkeautomaten verzichten würden. Aber he, praktisch sind die Dinger schon, das muss ich ja echt zugeben. Man muss sich echt keine Gedanken machen, ob man genügend zu trinken bei sich hat. Selbst im tiefsten Wald stehen diese Automaten.

  2. Der Betrachter

    Man, man, man… Was man da an Müll sparen könnte, wenn die Getränke nicht in Dosen und Flaschen verabreicht würden, sondern so, wie Kaffee in Tassen, wo jeder seinen Behälter für Getränke mit sich führt. Empfehlenswert wäre dazu eine Art Tupper-Behälter mit einen aufbringbaren Deckel, damit nach dem Trinken nichts auslaufen kann und dass man das Getränk auch transportieren kann, ohne dass etwas ausläuft. Das wäre für einen Hersteller solcher Behälter einen Milliardendeal und andererseits eine Milliarden Einsparung wegen dem nicht anfallenden Müll.
    Elisa, schlag das doch mal einer Firma in Japan für Getränke – und und einer für Behälter – vor und vergiss dann bitte nicht, wer dich auf die Idee brachte, wenn du Honorare erhältst. ;-)

  3. Hm… wenn man im Sommer an einem Ort arbeitet, wo es keinen Konbini gibt, viel Durchgangsverkehr, Handwerker und einen 100¥ Automaten, dann ist der sehr sehr häufig ausverkauft…
    Meine Situation ist vielleicht besonders, aber mir passiert es oft, dass ich nicht das Getränk bekomme, das ich haben will, weil ausverkauft :(

    Anekdote: Der Getränkeautomat in der Nähe meiner alten Firma weigerte sich das Wechselgeld rauszugeben. Mein Kollege war sauer und trat dagegen. Der Automat gab nach und spuckte zusätzlich zum eigentlichen Wechselgeld noch 100¥ aus, die mein Kollege mir geschenkt hat ^_-

    Oh! Und an manchen Automaten gibt es eine Lotterie wie ein einarmiger Bandit.
    Ich selbst hatte noch kein Glück, aber ein Kollege hat mal ein Extragetränk bekommen und mir geschenkt.

  4. Bei unserem letzten Tokyo Besuch machten wir ein Spiel, wer die meisten Automaten an einem Fleck findet. In Shibuya zählten wir an einem Fleck 18 Stück nacheinander. Wer kauft bitte soviele Getränke?!

  5. Ich finde diese Automaten so toll! Vor allem den (lau-) warmen Kaffee!

  6. Hallo!
    Ja, Getränkeautomaten in Japan sind wirklich klasse!
    Wenn du dich bei fast 30 Grad durch die Gegend schleppst ist es wirklich enorm angenehm überall gekühlte Getränke zu bekommen!
    Obwohl ich mir manchmal vorgekommen bin wie in der Story vom Hasen und dem Igel: Da gehst du durch ein idyllisches Waldstück auf dem Weg zu einem historischen Schrein und wirst dann als Erstes freudig von einem Automaten begrüßt… ;-)
    Wenn Dir das dann immer wieder passiert fühlt man sich schon etwas verfolgt. :-)
    LG,
    Viola

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