Die Burg Odawara.

Japans Burgen

„Bitte Schuhe ausziehen“ heißt es vor einigen Burgen in Japan. Die tollen Konstruktionen aus Stein und Holz dürfen nur strumpfsockig oder mit Leihschlappen betreten werden. So hatte ich mir den Besuch einer Burg aber nicht vorgestellt, erweckt das Wort in Europa doch eher Assoziationen mit Schmutz, Moder, Dunkelheit und behäbigen Rittern. Auch in Japan entstanden die meisten Burgen, wie wir sie heute kennen, während dem der feudalen Phase des Mittelalters und hatten ähnliche Funktionen. Doch im Aussehen unterscheiden sich japanische Burgen erheblich von den europäischen Bauwerken.

Empfindlicher, Jahrhunderte alter Boden. Da heißt es betreten mit Schuhen verboten.
Empfindlicher, Jahrhunderte alter Boden. Da heißt es betreten mit Schuhen verboten.

Geschichte

Die ersten Festungen entstanden schon früh und dienten dem Zweck der Verteidigung. Dafür nutzte man bestmöglich strategisch wichtige Orte und die Umgebung wie Berge und Flüsse, um Angreifern eine Eroberung schwer zu machen.

Während der Yamato-Ära (250–710), als größere Städte entstanden, und in der Nara-Periode (710–794) danach wurden die Festungen größer und in ihrem Aussehen beeinflusst von koreanischer und chinesischer Architektur. Mittlerweile dienten sie nicht nur zur Verteidigung sondern sollten genauso beeindrucken. Ruinen aus dieser Zeit finden sich bis heute auf Kyūshū und in Tōhoku.

Japans schönste Burg und UNESCO Weltkulturerbe: Himeji.
Japans schönste Burg und UNESCO Weltkulturerbe: Himeji.

In den folgenden Jahrhunderten änderten sich mit Sinn und Zweck der japanischen Burgen auch deren Aussehen. Während bisher ausländische Invasionen verhindert und einheimische Stämme wie die Ainu abgehalten werden sollte, entstand nun mehr und mehr Rivalität zwischen japanischen Clans. Diese Entwicklung erreichte ihren Höhepunkt während der Sengoku-Zeit (1477 – 1603), die geprägt war von andauernden Kriegen zwischen den Feudal-Lords. Burgen wuchsen zu komplexen Anlagen bis hin zu Burgstädten, die Samurai und Bedienstete beherbergten, starke Verteidigungsanlagen und gleichzeitig Strategiezentralen waren.

Hiroshimas Burg sieht durch ihre braune Holzvertäfelung anders aus als die meisten anderen japanischen Burgen.
Hiroshimas Burg sieht durch ihre braune Holzvertäfelung anders aus als die meisten anderen japanischen Burgen.

Um den Gegner zu verwirren, dachten die Baumeister sich architektonische Kniffe aus. So sah eine Burg nach Außen zum Beispiel nach fünf Stockwerken aus, hatte im Inneren aber in Wirklichkeit sieben Etagen. Die Einführung von Schusswaffen brachte schwere Fundamente aus Steinen mit sich. Besuchst du eine Burg, findest du in den Mauern oft kleine Öffnungen, die als Schießscharten dienten.

Aufbau einer japanischen Burg

Die Bauwerke japanischer Burgen sind in mehreren Verteidigungsringen angeordnet. Der Burgturm, das prägnanteste und bestverteidigste Gebäude befindet sich im inneren Ring honmaru 本丸. Darum folgen weitere Anlagen wie Wachtürme, Mauern und Tore im zweiten ni-no-maru 二の丸 und dritten Ring san-no-maru 三の丸. 

Da der Turm selbst zu unbequem war, lebten die Burgherren für gewöhnlich im zweiten Ring in einem kleineren, angenehmer gestalteten Palast, auf Japanisch goten 御殿. Einer der wenigen dieser Paläste, die erhalten sind, ist der von Burg Nijo in Kyōto. Nachbauten der lokalen goten gibt es in Kumamoto, Hikone und Nagoya.

Japans zwölf Originalburgen

Von den vielen Burgen, die du in Japan besichtigen kannst, sind die wenigsten original erhalten. Der Großteil fiel Bränden, Naturkatastrophen oder dem Zweiten Weltkrieg zum Opfer. Letzteres merkt man daran, dass sich von den erhaltenen Festungen ein Großteil auf Shikoku und in den japanischen Alpen befindet – Regionen, die nicht systematisch bombardiert wurden.

Eine der zwölf original erhaltenen Burgen befindet sich in der Stadt Kōchi auf der kleinsten Hauptinsel Shikoku.
Eine der zwölf original erhaltenen Burgen befindet sich in der Stadt Kōchi auf der kleinsten Hauptinsel Shikoku.

Folgende japanische Burgen sind bis heute im Original erhalten:

  • Himeji
  • Matsumoto
  • Bitchu-Matsuyama
  • Matsue
  • Hikone
  • Matsuyama
  • Hirosaki
  • Inuyama
  • Kōchi
  • Maruoka
  • Uwajima
  • Marugame
Gleich mehrere der durch Naturkatastrophen den Krieg unversehrten Burgen stehen auf Shikoku, so wie die kleine aber feine Burg von Uwajima.
Gleich mehrere der durch Naturkatastrophen den Krieg unversehrten Burgen stehen auf Shikoku, so wie die kleine aber feine Burg von Uwajima.

Die Innenräume bestehen größtenteils aus Holz, steile (!!!) Treppen führen von Stockwerk zu Stockwerk. Es sind diese Burgen, bei denen man zur Besichtigung seine Schuhe davor in ein Schließfach sperrt oder in einer Tüte mit sich herumträgt. So werden Verschmutzung und Abnutzung möglichst gering gehalten. Auch herrscht hier selbstverständlich strengstes Rauchverbot.

Bevor man die Burg in Kōchi betreten darf, müssen die Schuhe in einem extra dafür vorgesehen Schließfach verstaut werden.
Bevor man die Burg in Kōchi betreten darf, müssen die Schuhe in einem extra dafür vorgesehen Schließfach verstaut werden.
In der Burg von Himeji bekommt man Leischlappen, die wahrlich nicht auf große europäische Füße ausgelegt sind ;)
In der Burg von Himeji bekommt man Leischlappen, die wahrlich nicht auf große europäische Füße ausgelegt sind ;)

Wiederaufbau zerstörter Burgen

Viele Burgen, die du sehen und besuchen kannst, wurden erst in den letzten Jahrzehnten wieder aufgebaut. Die meisten setzen dabei auf ein originalgetreues Äußeres und Betonkonstruktionen im Inneren. Den fehlenden Flair der Innenarchitektur erhaltener Burgen machen bei den Neukonstruktionen Museen und die Aussicht von der obersten Ebene wett.

In Burg Kōchi, eine der zwölf original erhaltenen Festungen, bekommt man einen guten Eindruck davon, wie es in den Burgen früher aussah.
In Burg Kōchi, eine der zwölf original erhaltenen Festungen, bekommt man einen guten Eindruck davon, wie es in den Burgen früher aussah.

Anderenorts wird versucht, möglichst wenig moderne Materialien zu verwenden. Holz und Stein und vor allem traditionelle Bauweisen kommen zum Einsatz, neue Techniken und Stoffe nur, wo nötig und auch dann so unauffällig wie nötig. Ein tolles Beispiel für ein Wiederaufbauprojekt dieser Art ist die Burg Kanazawa. Es gibt ähnliche Bestrebungen für Takamatsu auf Shikoku und die Burg Edo in Tōkyō.

Japanbloggerin bei der Arbeit :) Die schwarze Burg in Matsumoto mit der roten Brücke davor ist eine meiner Lieblingsburgen in Japan.
Japanbloggerin bei der Arbeit :) Die schwarze Burg in Matsumoto mit der roten Brücke davor ist eine meiner Lieblingsburgen in Japan.

Das Bild ganz oben zeigt die wiederaufgebaute Burg Odawara. Für viele nur ein Vorbeirauschen am Shinkansenfenster, ist sie ein schöner Tagesausflug von Tōkyō aus oder Zwischenstopp auf dem Weg ins Hakone-Gebiet. Besonders herausragend ist für echte Fans japanischer Burgen das Museum im Inneren.

Komme ich an einen Ort mit Burg, steht sie für mich immer auf dem Seightseeingprogramm. Wie ist das bei dir?

Quellen und weiterführende Links

Japanese castles

Japanese castle – Wikipedia

100 bedeutende Burgen Japans – Wikipedia

Jcastle.info

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Kategorien Alltägliches
Elisa

Über

Ich bin Elisa, Japan ist meine große Liebe und hier erzähle ich davon. Meine Japanreisen 2019: im Mai war ich zweieinhalb Wochen an der San-in Küste, im November auf Shikoku. What's next?

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