Die Asakusa-Butsudan-dori-Straße in Tōkyō ist spezialisiert auf Geschäfte für Hausaltäre und anderen religiösen Bedarf.

Asakusa-butsudan-dori – wo Japaner in Tōkyō ihren Hausaltar kaufen

Tōkyōs pulsierende Hauptschlagader ist die Yamanote-Linie, eine Ringbahn, die entlang von 30 Stationen die wichtigsten Stadtzentren der japanischen Hauptstadt verbindet. Rund um die Bahnhöfe drängen sich Einkaufszentren und Restaurants, um schnell die hungrigen Pendler zu versorgen. Die Atmosphäre ist geprägt von Neonschildern, dem Lärmen hunderter Spielautomaten, sobald die Schiebetüren zu einer Pachinko-Halle sich öffnen, und Menschen, Menschen, Menschen.

Ueno ist einer dieser großen Bahnhöfe, der es einem so leicht macht, sich zu verlaufen, wenn man nicht genau weiß, welchen Ausgang man braucht. Ueno ist auch der nahegelegenste JR-Bahnhof zum Schrein- und Tempelbezirk Asakusa. Schon viele Male habe ich mich von dort aus auf zum roten Donnertor mit seiner gigantischen Papierlaterne gemacht. Und jedes Mal wieder überrascht mich, wie schnell es still wird, sobald man sich ein paar Gehminuten vom Bahnhof in Richtung Sumida-Fluss, Asahi-Brauerei und Sky Tree entfernt.

Auch hier säumen Geschäfte die Straßen links und rechts, gelegentlich gesprenkelt mit der bunten Fassade eines Convenience Stores. Eine normale Shoppingstraße in Tōkyō eben, nur, dass insgesamt nicht so viel los ist.

Mein Blick schweift gedankenverloren über die Glasfronten der Läden und huch, was ist das? So ganz normal ist das hier alles doch nicht, denn mein Blick fällt auf Gebetsketten, Buddhafiguren und vor allem Hausaltare in allen Größen und Variationen.

Asakusa-butsudan-dori

Ohne es zu wissen, bin ich in der Asakusa-butsudan-dori 浅草仏壇通り, der Asakusa-Hausaltar-Straße, gelandet. Ganze Straßenzüge und Viertel spezialisiert auf eine Art Produkt sind eine Eigenheit, die man in mehreren asiatischen Ländern findet. Meine einprägsamste Erfahrung war ein Bummel durch eine „LED-Straße“ in Südkorea, die mich fast blind zurück ließ, ob der vielen grellen Lichter.

Die sogenannte Asakusa-butsudan-dori ist eine Straße, in der sich rund 40 Läden angesiedelt haben, mit allem, was man zur Ahnenverehrung zu Hause benötigt: von Räucherstäbchen bis Hausaltar.
Die sogenannte Asakusa-butsudan-dori ist eine Straße, in der sich rund 40 Läden angesiedelt haben, mit allem, was man zur Ahnenverehrung zu Hause benötigt: von Räucherstäbchen bis Hausaltar.

Die Asakusa-butsudan-dori ist in etwas 1 km lang und beherbergt rund 40 Läden spezialisiert auf buddhistische und shintoistische Hausaltare, sowie Schrein- und Tempelbedarf. Diese Ansammlung ergab sich in der Edo-Zeit (1603–1868) basierend auf der Nähe zu den religiösen Stätten in Asakusa. Durch Bombenangriffe im Zweiten Weltkrieg wurden viele davon zerstört und das Geschäft ging zurück. Doch seit dem Wiederaufbau in den 1950er Jahren festigte sich die Stellung der butsudan-dori als Tōkyōs Shopping-Hotspot für alles, was mit häuslicher Ahnenverehrung zu tun.

butsudan – der buddhistische Hausaltar

Ahnenverehrung ist der Hauptzweck, den ein Hausaltar in Japan erfüllt. Egal, ob man Platz und Geld (!) für einen großen schrankartigen Altar hat oder eine Miniversion, die eher an ein Regal erinnert, in traditionellen Familien ist ein Hausaltar ein Muss. Schätzungsweise 90 % aller Haushalte auf dem Land huldigen auf diese Art und Weise ihren Verstorbenen, in den Städten sind es nur noch knapp 60 %.

So kann ein traditioneller, japanischer Hausaltar zur Verehrung der Ahnen aussehen. (Foto: booby bubio auf Flickr)
So kann ein traditioneller, japanischer Hausaltar zur Verehrung der Ahnen aussehen. (Foto: booby bubio auf Flickr)

Wie auch der Rollenverteilung von Shintō und Buddhismus entsprechend findet sich zum Gedenken an die Toten in den meisten Häusern ein butsudan 仏壇, ein buddhistischer Hausaltar. Dieser besteht aus einem honzon 本尊, dem Hauptgegenstand der Verehrung wie zum Beispiel einer Buddhastatue, einer Tafel mit den Namen verstorbener Familienmitglieder oder sogar Urnen mit deren Asche, und diversen Ritualgegenständen butsugu 仏具 wie Räucherstäbchen oder Glöckchen.

Shintoistische Hausaltare kamidana 神棚 sind seltener und oft geschmückt mit Spiegeln und Reisstrohseilen, den sogenannten shimenawa 注連縄.

In beiden Religionen üblich sind Opfergaben in Form von Reis, Obst und Sake. Verbunden ist die Verehrung mit täglichen Riten, für die heute fast nur noch ältere Leute Zeit finden.

Die Hersteller gehen mit der Zeit und entwerfen moderne Hausaltäre, die zu zeitgemäß eingerichteten Wohnungen passen. (Foto: 1-butsudan.jp)
Die Hersteller gehen mit der Zeit und entwerfen moderne Hausaltäre, die zu zeitgemäß eingerichteten Wohnungen passen. (Foto: 1-butsudan.jp)

Milliardengeschäft Hausaltar

Ein Hausaltar ist oft nicht nur eine Platz- sondern vor allem eine Geldfrage. Selbst Mini-Altäre schlagen bereits mit mehreren Hundert Euro zu Buche. Der jährliche Umsatz der Industrie lag im Jahr 2007 in etwa bei 1,5 Milliarden Euro im Jahr. (Nelson, 2008, S. 306)

Die Hersteller gehen mit der Zeit und passen sich nicht nur den beengten Wohnverhältnissen in den Metropolen sondern auch dem Einrichtungsgeschmack der jüngeren Generationen an. So gibt es neben traditionellen Hausaltären mit prunkvollen Verzierungen die sogenannten gendai bustudan 現代仏壇 oder modan bustudan モダン仏壇, also zeitgemäße, moderne Hausaltäre.

Ein moderner Mini-Altar, der sowohl als shintoistischer wie auch buddhistischer Hausaltar verwendet werden kann. (Foto: 1-butsudan.jp)
Ein moderner Mini-Altar, der sowohl als shintoistischer wie auch buddhistischer Hausaltar verwendet werden kann. (Foto: 1-butsudan.jp)

Um am Puls der Zeit zu bleiben, passen die Firmen sich auf allen ebenen an. Deshalb findet man so mache Filiale auch in den großen Shopping-Malls. Hausaltar-to-go quasi.


Schlendert man durch die Asakusa-butsudan-dori wirkt die Ansammlung der vielen religiösen Geschäfte zunächst befremdlich. Steht hier doch ein Produkt im Mittelpunkt, das wir in Europa so überhaupt nicht kennen. Doch gleichzeitig erfasst man auch, welchen Stellenwert die Verehrung der Ahnen in der japanischen Gesellschaft bis heute genießt. Und wie normal es hier nun einmal ist, durch eine Straße zu schlendern, die auf Hausaltäre spezialisiert ist.

Quellen und weiterführende Links

Bilder und Einblicke in die Asakusa-butsudan-dori von Philbert Ono

John Nelson – Household Altars in Contemporary Japan

Butsudan – Der buddhistische Hausaltar

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Kategorien Alltägliches
Elisa

Über

Ich bin Elisa, Japan ist meine große Liebe und hier erzähle ich davon. Meine Japanreisen 2019: im Mai war ich zweieinhalb Wochen an der San-in Küste, im November auf Shikoku. What's next?

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