Blick auf die Koyasu-Pagode in Kyōto.

Der Reiz der Nebenstraße

Seien wir ehrlich, im Navigieren bin ich nicht besonders gut. Immerhin, in Japan sind die meisten aushängenden Karten bei ihrer Darstellung nicht auf Norden ausgerichtet, sondern in Blickrichtung. Das hilft mir. Dennoch ist es für mich die sicherste Option, den Menschenmassen oder eben dem Hauptweg zu folgen, um dort anzukommen, wo ich hinmöchte. Und in Japan hat das vor allem bei großen Schreinen und Tempeln auch seinen ganz eigenen Reiz. Denn oft hat sich dort eine kunterbunte Ansammlung an Souvenirläden und Snackbuden etabliert, wo es viel zu entdecken und zu probieren gibt. Dennoch möchte ich an dich appellieren, Japan auch abseits der üblichen Wege zu erkunden. Denn oft reicht nur der Umweg über eine Nebenstraße für ganz neue Aussichten.

Ein Stückchen Kyōto für dich allein

Kurz vor der Pandemie war Kyōto unter den großen Besuchermassen kurz vor dem Zusammenbruch.

Der öffentliche Nahverkehr besteht aus gerade mal zwei U-Bahn-Linien., alle wichtigen Orte erreicht man nur mit dem Bus. Wenn man denn einen Platz bekommt oder die stundenlange Fahrt von A nach B in der stauanfälligen Stadt ohne Kreislaufkollaps übersteht.

Wer schlau ist, leiht sich vor Ort ein Rad, aber spätestens an der nächsten großen Attraktion reiht man sich wieder ein in die Selfi-schießende Masse, selbst auf der Jagd nach einem Foto, auf dem man hoffentlich nicht sofort sieht, dass man dieses Highlight der Reise mit 25.000 anderen Leuten teilen musste.

Obwohl Mitte Januar keine typische Reisesaison ist, schoben sich zu Jahresbeginn 2018 Menschenmassen durch die roten Schreintore des Fushimi Inari Taisha Schreins in Kyōto.
Obwohl Mitte Januar keine typische Reisesaison ist, schoben sich zu Jahresbeginn 2018 Menschenmassen durch die roten Schreintore des Fushimi Inari Taisha Schreins in Kyōto.

Ja, Kyōto ist verdammt voll, aber auch hier funktioniert die Magie der Nebenstrasse. Auf dem Weg zum Kiyomizu-dera-Tempel zum Beispiel reicht es, eine Querstrasse weiter rechts den Berg hochzubummeln und schon sind kaum noch Menschen zu sehen. Stattdessen eröffnet sich dir der Blick auf die Koyasu-Pagode, die in der Ferne weiß-rot leuchtet, vereinzelt schmiegen sich kleine Keramikläden und Teestübchen zwischen klassisch mit Holz verkleidete Häuser.

Den Rummel der Hauptstraße mit ihren Hello-Kitty-Shops und Kimono-Verleihen nehme ich später beim Rückweg dann auch noch mit. Aber erst mal genieße ich es, ein Stückchen Kyōto fast für mich allein zu haben.

Bambuswald am Fushimi Inari-taisha

Das kleine Bambuswäldchen am Hang des Berg Inari hatte ich ganz für mich allein.
Das kleine Bambuswäldchen am Hang des Berg Inari hatte ich ganz für mich allein.

Nirgends in Japans alter Kaiserstadt drängen sich so viele Leute aneinander wie am weltberühmten Fushimi Inari-taisha, dem Schrein der Tausenden roten Tore (jap. torii 鳥居). Vor allem am Anfang, wo die torii dicht an dicht stehen, ist auch das das Motto deines Erlebnisse: dicht an dicht. Nur langsam dünnt sich der Besucherstrom auf dem Weg den Berg hoch etwas aus, selten hast du Gelegenheit ein Foto zu schießen, ohne dass gerade jemand im Bild ist.

Dabei gibt es nicht nur einen Weg auf den Berg. Zweigt man gleich am Anfang rechts ab, entdeckt man eine ganz neue Seite des Berg Inari. Eine mit unzähligen kleinen Nebenschreinen, moosbewachsenen Fuchsfiguren und verwitterten kleinen Schreintoren als Opfergaben. Und einem Bambuswald! Nicht ganz so beeindruckend wie jener in Arashiyama, aber dafür hatte ich das Wäldchen ganz für mich allein.

Nicht nur der Weg durch die Tausend roten Schreintore ist am Fushimi Inari-taisha spannend. Vor allem auf den anderen Wegen den Weg hoch, lassen sich magische Orte wie dieser entdecken.
Nicht nur der Weg durch die Tausend roten Schreintore ist am Fushimi Inari-taisha spannend. Vor allem auf den anderen Wegen den Weg hoch, lassen sich magische Orte wie dieser entdecken.

Auch hier habe ich dann beim Rückweg die übliche Route durch die roten Tore des Schreins gewählt. Gehört ja doch dazu. Doch beim nächsten Mal probiere ich für den Aufstieg wieder einen alternativen Weg. Wer weiß, was ich dann entdecken werde.

Eingerahmter Skytree

Von Asakusas Straßen aus hat man immer wieder tolle Blicke auf den Skytree.
Von Asakusas Straßen aus hat man immer wieder tolle Blicke auf den Skytree.

Was für Kyōto gilt, stimmt natürlich auch für die anderen Metropolen wie Ōsaka und Tōkyō. Bist du zum Beispiel in Asakusa unterwegs, musst du nicht lange suchen, bis du in der Ferne das neue Wahrzeichen der Hauptstadt, den Skytree, ausmachen kannst.

Du hast die Wahl: schnurstracks die Hauptsraße runter bringt dich an den Sumida-Fluss, von wo aus du einen guten Blick auf den bunt beleuchteten Fernsehturm hast. Aber noch besser gefällt es mir, den Skytree mit Umrahmung zu sehen. Von Stromkabeln und Häuserschluchten, Lieferwägen und Anwohnern auf quietschenden Fahrrädern. Und genau diesen Anblick hast du in den vielen Nebenstraßen des Viertels. Kaum beigst du um die Ecke, taucht plötzlich der Skytree in der Ferne auf, eingebetet als majestätischer Hintergrund für japanische Wohnsiedlungen statt nur als Teil eines unpersönlichen Panoramas.


Gestalte deine Reise immer so, dass du dich wohl und sicher fühlst. Aber denk daran, dass vermeintliche Umwege oft wunderschöne, unvergessliche Erinnerungen werden. Oftmals mit besonders guter Aussicht.

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Kategorien Reisen

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Ich bin Elisa, Japan ist meine große Liebe und hier erzähle ich davon. Meine Japanreisen 2019: im Mai war ich zweieinhalb Wochen an der San-in Küste, im November auf Shikoku. What's next?

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