Ausblick auf den Fuji vom Bahnsteig des Bahnhof Mishima.

Leben mit dem Fuji

„Dein erstes Mal Fuji vergisst du nie“ ist zugegeben kein japanisches Sprichwort, doch es sollte eines sein. Denn wenn das ewig schüchterne  Nationalsymbol Japans sich ausnahmsweise doch einmal ohne Wolkenkleid und Nebelschwaden zeigt, wir dein Herz vor Freude einen kleinen Sprung machen. Er brennt sich ein in deine Erinnerung und deine japanliebende Seele und von da an trägst du eine immerwährende Sehnsucht nach diesem Berg, nach diesem Land mit dir herum. Zumindest geht es mir so. Und 125 Millionen Japanern sowieso.

Der Fuji, Japans Wahrzeichen, vom Fenster des Shinkansen-Schnellzugs aus fotografiert.
Der Fuji, Japans Wahrzeichen, vom Fenster des Shinkansen-Schnellzugs aus fotografiert.

Japan und die Liebe zum heiligen Berg Fuji

Schon im Man’yōshū, eine sehr frühe Gedichtsammlung, wird er als göttlich beschrieben. Den Japanern ist der Fuji-san heilig. Und das ist ganz wortwörtlich gemeint.

Auf seinem Gipfel befindet sich der Sengen-jinja-Schrein, wo während der kurzen Saison im Sommer, in der man den Berg offiziell besteigen kann, sogar Hochzeiten abgehalten werden.

Den Asketen Hasegawa Kokugyo (1541–1646) faszinierte der Fuji so sehr, dass er ihn angeblich über 100 Mal bestieg und mit Gleichgesinnten einen Kult startete. Sie erbauten Schreine, fasteten als Ausdruck ihrer Verehrung und wurden so fanatisch, dass das Shogunat sie letztendlich verbot.

Ganz so extrem geht es heute nicht mehr zu. Dennoch bleibt der Fuji Gegenstand der Faszination und Inspiration für unzählige Kunstwerke und das Design aller erdenklicher Produkte (Teeschalen und Taschentuchboxen in Fuji-Form, anyone?). Rund um den Berg findet man Maler, die ihr ganzes Leben lang nur ein Motiv verewigen und doch Gemälde voller Variation auf die Leinwand bringen. Denn Japans heiliger Berg sieht jeden Tag ein bisschen anders aus.

Bei klarem Wetter hat man Blick auf den Fuji aus der Shōnan Monorail zwischen Ōfuna und Enoshima.
Bei klarem Wetter hat man Blick auf den Fuji aus der Shōnan Monorail zwischen Ōfuna und Enoshima.

Leben am Fuß eines aktiven Vulkans

Hochoffiziell wird der Fuji als aktiver Vulkan gelistet, auch wenn er aktuell keine Aktivität zeigt. Der letzte Ausbruch liegt etwa 300 Jahre zurück – ein geologischer Wimpernschlag.

Wann immer ich rund um den Berg unterwegs bin und einer dieser seltenen Momente kommt, in dem ich ihn plötzlich durchs Zugfenster oder beim Spazierengehen in der Ferne am Horizont erspähe, fasziniert mich der Gedanke, dass man diese kleinen Glücksmomente häufiger erleben kann. Und zwar wenn man hier wohnt. Und frage mich, was dieses Leben wohl mit sich bringt.

Japan ist bekanntlich voll von Vulkanen und einige brechen mit größerer Häufigkeit aus als der Fuji. „Häufig“ wie in „alle paar Monate“ oder sogar Tage. Der Sakurajima ganz im Süden Kyūshūs ist so ein Kandidat. Die Einwohner von Kagoshima sind es gewohnt, dass ihr Hausberg circa zwei Mal die Woche Feuer und Asche spuckt. Für letzteres gibt es sogar eigene Müllbeutel, die beim Recycling separat behandelt werden.

Diese Scherereien macht der Fuji nicht. Ein klein wenig Nervenkitzel, dass er urplötzlich ausbrechen könnte, ist sicher dennoch dabei. Und ganz viel Liebe. Für diesen wunderschönen Berg mit eigener Seele. Wenn du ihn selbst einmal gesehen hast, wirst du wissen, was ich meine. 😌

Ikonisches Postkartenmotiv: das rote torii des Hakone Schreins am Ashi-See mit dem Fuji im Hintergrund.
Ikonisches Postkartenmotiv: das rote torii des Hakone-Schreins am Ashi-See mit dem Fuji im Hintergrund.

Quellen und weiterführende Links zum Thema “Leben mit dem Fuji”

JNTO: Berg Fuji: Mehr als ein Berg
Niponica Ausgabe 13: Special Feature “Mount Fuji, Symbol of Japan” (engl.)
Tokyo Weekender: 9 Fun Facts about Mount Fuji for Mountain Day (engl.)
Live Japan: “Mt. Fuji Has a Hidden Meaning?” 10 Weird Mount Fuji Facts You Can Brag About Knowing! (engl.)

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Kategorien Alltägliches

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Ich bin Elisa, Japan ist meine große Liebe und hier erzähle ich davon. Meine Japanreisen 2019: im Mai war ich zweieinhalb Wochen an der San-in Küste, im November auf Shikoku. What's next?

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