Ein Zug im Momotarō-Design fährt über die Kibi-Ebene nahe Okayama.

Warum ich Japan so gern mit dem Zug bereise

Es gibt Länder, die eignen sich besonders gut für einen Road Trip. Wenn die Straße selbst zum Erlebnis wird oder aber wenn alle anderen Verkehrsmittel die Reise eher verkomplizieren würden. In Japan ist es genau andersrum. Für eine erste Japanreise bis zu drei Wochen ist das Herumreisen und Erkunden mit dem Zug in Kombination mit dem Japan Rail Pass in meinen Augen ideal. Warum? Also, wo fange ich an…

Reisen mit dem Shinkansen-Schnellzug

Ein Schaffner an Bord des Shinkansen stellt sicher, dass beim Zusteigen am Bahnsteig in Himeji alles korrekt abläuft.
Ein Schaffner an Bord des Shinkansen stellt sicher, dass beim Zusteigen am Bahnsteig in Himeji alles korrekt abläuft.

Ich stehe am Gleis und warte auf meinen Zug. Schon jetzt weiß ich anhand meiner Reservierung und den Markierungen am Bahnsteig genau, wo ich mich anstellen muss, damit ich einen möglichst kurzen Weg zu meinem Sitzplatz haben werde. Wagenreihung- und -nummer bleiben immer bestehen.

Darüber, ob ich in Fahrtrichtung sitzen möchte oder nicht, musste ich mir bei der Auswahl des Sitzplatzes auch keine Gedanken machen. Denn die Sitzreihen sind drehbar und immer so ausgerichtet, dass die Fahrgäste in Fahrtrichtung blicken.

Dass alles picobello sauber und der Shinkansen auf die Sekunde pünktlich ist, muss ich wohl gar nicht erwähnen. Denn wenn man etwas über Japans Schnellzug weiß, dann das.

Der Schaffner fragt übrigens nicht mal mehr nach meinem Ticket, wenn ich einen reservierten Sitzplatz einnehme. Schließlich sieht er oder sie, dass dieser Sitz reserviert ist. Und wenn ich hier sitze, vertraut er mir, dass ich die passende Reservierung dazu habe.

Ich im Shinkansen. Zugfahren in Japan macht mich glücklich xD
Ich im Shinkansen. Zugfahren in Japan macht mich glücklich xD

Doch eigentlich das allerbeste am Shinkansen ist seine Geschwindigkeit. Wenn Japan nicht gerade von einem Erdbeben gebeutelt wird, gibt es kaum Probleme auf der Strecke. Der Schnellzug fährt auf seiner eigenen Trasse, die regionale Züge nicht benutzen. Das heißt, wenn er erstmal Fahrt aufnimmt, frisst er die Kilometer nur so weg. Dafür drosselt er auch bei der Durchfahrt in Bahnhöfen nicht die Geschwindigkeit. Am Bahnsteig also bitte den Hut festhalten, wenn ein Shinkansen, der hier nicht hält, vorbei saust. Es wird windig.

Diese Kombination aus Geschwindigkeit und eigener Gleisführung, lässt Japan für Reisende zusammenschrumpfen. In ein paar Stunden gefühlt vom einen Ende des Landes zum anderen? Kein Problem.

Es fährt ein Zug nach Nirgendwo

Ein sogenannter wanman, also Ein-Mann-Zug, am kleinen, ländlichen Bahnhof Futamino-Ura.
Ein sogenannter wanman, also Ein-Mann-Zug, am kleinen, ländlichen Bahnhof Futamino-Ura.

Es ist natürlich übertrieben einfach ausgedrückt, aber egal, wohin man will, es fährt ein Zug. Zumindest in die Nähe. Vor allem bei der ersten Reise, wo du ja doch eher die klassischen Sehenswürdigkeiten besuchst, bringt dich der Japan Rail Pass überall hin.

Der Gegensatz zum Shinkansen ist manchmal massiv. Eben steigst du noch aus dem Schnellzug, der mit 300 km/h plus vorbei an endlosen Häusermassen gezischt ist. Dann sitzt du plötzlich in einem kleinen Regional-Bummelzug, der nicht mal einen Schaffner, sondern nur einen Lokführer hat. Und die Ticketkontrolle? Übernimmt der Lokführer beim Aussteigen der Fahrgäste selbst oder aber es läuft komplett auf Vertrauensbasis. Japan eben.

In Regionalzügen habe ich schon alles mögliche erlebt: Eine alte Dame im Kimono, die leise traditionelle Schlager vor sich hinsang, Leute, die mir Süßigkeiten geschenkt haben oder mir anboten, Platz zu tauschen, damit ich besser aus dem Fenster sehen kann.

Japans Sonderzüge

Bei diesem Sonderzug ist ganz klar, wohin er fährt. Eine Comicversion des Fuji ziert die Waggons in allen möglichen Varianten.
Bei diesem Sonderzug ist ganz klar, wohin er fährt. Eine Comicversion des Fuji ziert die Waggons in allen möglichen Varianten.

Am liebsten nehme ich einen von Japans vielen Sonderzügen. Das kann ein Shinkansen mit besonderem Design sein (aktuell braust ein rosafarbener Helloy-Kitty-Schnellzug durchs Land, davor war es ein lilafarbener mit Ausstattung zum Anime „Neon Genesis Evangelion“) oder aber ein speziell entworfener Zug, der eine besondere Strecke fährt. Zum Beispiel die Küste entlang und die Sitze sind alle in Richtung Meerseite ausgerichtet. Oder eine alte Dampflok, die an Reisfeldern entlang durchs Landesinnere schnauft, während links und rechts Bambuszweige gegen die Scheiben peitschen.

Ein Waggon im Hello-Kitty-Shinkansen hat eine ganz besondere Ausstattung mit farbenfrohen Sitzen und Kopfstützen mit der berühmten Katze darauf.
Ein Waggon im Hello-Kitty-Shinkansen hat eine ganz besondere Ausstattung mit farbenfrohen Sitzen und Kopfstützen mit der berühmten Katze darauf.

Einige dieser Züge zielen aufs Luxussegment ab, eine Fahrt ist unerschwinglich und muss Jahre im Voraus reserviert sein. Die meisten jedoch sind im Japan Rail Pass inbegriffen und eine Reservierung reicht, um einsteigen zu dürfen.

Plötzlich sitzt du in einem Zug mit einem kleinen Café an Bord, oder aber einem Bällebad für Kinder. Die sitze sind aus Holz und Leder oder aber über und über ist alles voll mit Bildern von Pokémon.

Unter Glaskabinetten mit Büchern wird's so richtig gemütlich.
Unter Glaskabinetten mit Büchern wird’s so richtig gemütlich.

Selbst wenn das Interieur nicht besonders gestaltet ist, gibt es unzählige Züge in Japan, die außen ungewöhnlich gestaltet sind. Anime- oder Märchenmotive sind nicht ungewöhnlich, manchmal zeigen sie auch das örtliche Maskottchen oder traditionelle Muster.

Die Möglichkeiten, etwas Neues zu entdecken und Zugabenteuer zu erleben, sind in Japan unerschöpflich.

ekiben – eine Lunchbox ganz speziell für den Zug

Replika von Bento-Lunchboxen an einem ekiben-Verkausstand am Bahnhof Shin-Ōsaka.
Replika von Bento-Lunchboxen an einem ekiben-Verkausstand am Bahnhof Shin-Ōsaka.

Und dann ist da noch ein Aspekt, den ich ganz besonders charmant finde: ekiben – die Lunchbox für den Zug. Während du in Regionalzügen maximal einen Snack zu dir nehmen solltest, ist es andersrum im Shinkansen üblich, dass die Reisenden sich vorab ein sogenanntes ekiben kaufen. Das Wort setz sich zusammen aus eki 駅 für Bahnhof und ben 弁 aus dem Wort bentō, dass du sicherlich schon einmal gehört hast. Es beschreibt die liebevoll zubereiteten „Brotzeit“-Boxen, die mit Reis, Gemüse, Fleisch, Fisch und fermentierten Kleinigkeiten gefüllt sind.

An den Bahnhöfen gibt es ganze ekiben-Läden, die sich spezialisiert haben auf Lunchboxen für die Zugfahrt im Shinkansen oder anderen Expresszügen. Auch für viele Sonderzüge gibt es spezielle ekiben.

Diese enthalten dann regionale Spezialitäten oder aber kommen in einer Verpackung, die zum Beispiel die Form eines Zugs hat. Rund um Ōsaka gibt es sogar eine mit Oktopus, die in einem Tonkrug verkauft wird, da dies die traditionelle Art und Weise imitiert, wie diese Tiere gefangen werden.


Wenn du eine Japanreise planst und dich also fragst, wie du eigentlich von A nach B kommen sollst, dann gönne dir einen Japan Rail Pass und erkunde mein Lieblingsland mit dem Zug. Du wirst es nicht bereuen.

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Kategorien Reisen

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Ich bin Elisa, Japan ist meine große Liebe und hier erzähle ich davon. Meine Japanreisen 2019: im Mai war ich zweieinhalb Wochen an der San-in Küste, im November auf Shikoku. What's next?

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