Der kleine Junge, dem dieses Dreirad gehörte, hat den Atombombenabwurf vom 6. August 1945 leider nicht überlebt. Sein Spielzeug steht als ewiges Mahnmal in Friedensmuseum Hiroshima.

Ein Besuch im Friedensmuseum Hiroshima

Jahre bevor ich das Friedensmuseum Hiroshima besuchte, kam ich anderweitig mit der Stadt in Kontakt. Als ich Anfang 20 meinen ersten Japanischkurs belegte, staunte ich nicht schlecht, dass meine Lehrerin von dort stammte. Sie schwärmte von ihrer Heimat und lud uns ein, sie unbedingt dort einmal zu besuchen. Von Hiroshima wusste ich bis dato nur, dass es neben Nagasaki eine der beiden Städte war, die Opfer der Atombombenabwürfe geworden waren. Konnte man an so einem Ort wirklich leben?

Man kann. Und Hiroshima ist der Ort in Japan (wenig überraschend: mit Nagasaki), den ich als am entspanntesten, friedlichsten und mit der meisten Hoffnung für eine positive Zukunft erlebt habe.

Dieses Jahr im August jähren sich die Atombombenabwürfe zum 75. Mal. Ein Grund, mich an meinen Besuch im Friedensmuseum Hiroshima zu erinnern. Dieser lies mich mehr als einmal schwer schlucken, half aber gleichzeitig, die Welt anders wahrnehmen. Die Menschheitsgeschichte ist voller Grausamkeit und Fehler. Der größte Fehler aber ist, nicht hinzusehen und zu vergessen. Deshalb möchte ich dir bei einer Japanreise einen Besuch im Hiroshima Peace Memorial Museum dringend ans Herz legen.

Die Geschichte des Atombombenabwurfs auf Hiroshima

Ein beeindruckendes Display zeigt wo die Atombombe über der Innenstadt von Hiroshima detonierte.
Ein beeindruckendes Display zeigt wo die Atombombe über der Innenstadt von Hiroshima detonierte.

Am 6. August 1945 um 8:15 wurde aus der B-29 „Enola Gay“ die Atombombe „Little Boy“ auf Hiroshima abgeworfen. Diese detonierte in ca. 600 Metern Höhe über der Innenstadt. Das Friedensmuseum und der berühmte Genbaku Dome sind nicht weit vom Hypozentrum entfernt.

Hiroshima war als Sitz der der 2. japanischen Hauptarmee und Ort ohne Kriegsgefangenenlager als Ziel gewählt worden. Im Friedensmuseum wird auch die Theorie angeführt, dass man sich für Hiroshima aufgrund seiner geographischen Lage mit mehreren Flüssen, die sich durch die Stadt schlängeln, entschieden hatte. So konnte getestet werden, wie eine Atombombe auf gemischtem Terrain wirkt. (Quelle)

Es war der erste Einsatz in der Geschichte der Menschheit einer Atombombe in einem Krieg. Rund um das Hypozentrum wurden ein Großteil der Gebäude sofort zerstört. Schätzungsweise 70.000–80.000 Leute starben sofort. Viele weitere erlagen kurz darauf ihren Wunden und der hohen Strahlung. In den folgenden Jahrzehnten wurden viele Erkrankungen wie Krebs als Spätfolgen der Bombe identifiziert.

Hiroshima Peace Memorial Museum

Das Friedensmuseum Hiroshima wurde unter der Federführung von Architekt Kenzo Tange entworfen.
Das Friedensmuseum Hiroshima wurde unter der Federführung von Architekt Kenzo Tange entworfen.

Das Friedensmuseum von Hiroshima oder „Hiroshima Peace Memorial Museum“ wie es offiziell heißt wurde im Jahr 1955, 10 Jahre nach dem Abwurf der Atombombe eröffnet. Gestaltet wurde es als Gemeinschaftsarbeit von vier Architekten unter der Führung von Kenzo Tange. Dies war der Start seiner internationalen Karriere. Ein anderes berühmtes Bauwerk von ihm ist Tōkyōs Rathaus – das Tōkyō Metropolitan Goverment Building mit seinen zwei Türmen in Shinjuku.

Stehst du vor dem Friedensmuseum sticht dir sofort ins Auge, dass das Hauptgebäude auf Säulen steht und somit auf ein Erdgeschoss verzichtet wurde. Diese Bauweise sieht man in Japan öfter, um Platz für parkende Autos zu schaffen. Hier aber steckt dahinter eine Symbolik: das erhöhte Gebäude zeigt, dass die Menschheit sich wie Phönix aus der Asche erheben kann. (Quelle)

Exponate im Friedensmuseum Hiroshima

Ein Gang durch die Ausstellungsräume des Museums lässt dich schmerzlich in die Geschehnisse des 6. Augusts 1945 eintauchen. Bilder und Exponate zeigen ausgelöschte Familien, unzählige Leben, die ein jähes, unvorbereitetes Ende nahmen.

Dabei sind Kleidungsreste, das Dreirad eines kleinen Jungen und eine Uhr, die exakt um 8:15 Uhr stehen blieb. Besonders im Gedächtnis geblieben ist mir ein Diorama der Stadt, das durch eine rote Kugel darüber anzeigt, wo genau die Stadt explodierte. Passende Bilder dazu zeigen das erschreckende Ergebnis, bei dem kaum noch Häuser stehen.

Das Hiroshima Peace Memorial Museum hat sich zur Aufgabe gemacht, an das geschehene Leid in all seinem Umfang zu erinnern. Dabei werden auch im Krieg eingeschleppte Zwangsarbeiter aus China und Korea, die sich zum Zeitpunkt der Katastrophe in Hiroshima befanden, nicht vergessen. All das ist nicht leicht zu verdauen und viele von euch haben kürzlich auf Facebook kommentiert, dass ihr im Museum weinen musstet.

Hier kämpfte ich mit den Tränen: im Friedensmuseum Hiroshima sind einige von Sadakos Originalkranichen ausgestellt.
Hier kämpfte ich mit den Tränen: im Friedensmuseum Hiroshima sind einige von Sadakos Originalkranichen ausgestellt.

Nichtsdestotrotz kommt, wie auch im Friedenspark von Nagasaki, das Thema Hoffnung nicht zu kurz. Weltberühmt geworden ist die Geschichte des Mädchens Sadako, das an Leukämie erkrankte und daraufhin begann, 1.000 Papierkraniche zu falten. Ihr Wunsch, sollte sie die 1.000 schaffen, war es, wieder gesund zu werden. Sadakos Geschichte endet traurig mit ihrem Tod. Ihre Kraniche hingegen hat sie der Welt hinterlassen und mit ihnen eine farbenfrohe, hoffnungsspende Tradition, über die ich dir nächste Woche mehr erzähle.

Öffnungszeiten, Eintritt & Anfahrt

Täglich geöffnet außer 30./31.12.

1-2 Nakajima-cho, Naka-ku, Hiroshima 730-0811

März–Juli/September–November
9:00~18:00
August
9:00~19:00
Dezember–Februar
9:00~17:00

Eintritt: 200 Yen / Schüler: 100 Yen

Website:  Hiroshima Peace Memorial Museum

Bus-Haltestellen: Heiwa kinen koen (Buslinie 24 oder Sightseeing Ringlinie Hiroshima Meipuru~pu)

Tram-Haltestellen: Fukuro-machi oder Genbaku Domu Mae

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Kategorien Reisen
Elisa

Über

Ich bin Elisa, Japan ist meine große Liebe und hier erzähle ich davon. Meine Japanreisen 2019: im Mai war ich zweieinhalb Wochen an der San-in Küste, im November auf Shikoku. What's next?

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