Am Mishima Taisha Schrein in der Stadt Mishima hat Ebisu seine eigenen ema Wunschtafeln.

Bild der Woche: Japans japanischster Glücksgott Ebisu

Die japanische Götterwelt umfasst 8 Millionen kami 神. Diese Zahl ist nicht wortwörtlich zu verstehen sondern ist gleichbedeutend mit „unendlich viele“. (Fun Fact: Wie bei uns das mathematische Zeichen für unendlich eine liegende 8 ist, wird auch das japanische Kanji für 8 (hachi 八)  gerne als Synonym für eine große/unendliche Anzahl verwendet.) Einige davon werden besonders verehrt, so zum Beispiel die japanische Urahnin des Kaiserhauses Sonnengöttin Amaterasu oder auch Tenjin, der Gott der Weisheit. Ganz besonders oft begegnen einem dabei eine Gruppe Götter, die oft gemeinsam auftreten: die sieben Glücksgötter. Von diesen erzähle ich heute, vor allem vom japanischsten der japanischen Glücksgötter – Ebisu.

Sieben Glücksgötter

Shichi fukujin 七福神, die sieben Glücksgötter werden in Japan seit der Muromachi-Zeit, vor allem rund um Neujahr, gefeiert, verehrt, angebetet. 

Sehr bezeichnend für den Umgang der Japaner mit verschiedenen Religionen ist hier mal wieder, dass nur einer der sieben Götter ursprünglich aus der indigenen Religion shintō stammt. Die anderen wurden unter anderem aus China und Indien von Buddhismus, Daoismus und Hinduismus übernommen.

Laut Überlieferung kommen Ebisu 恵比須, Hotei 布袋, Benten 弁天, Bishamon 毘沙門, Daikoku 大黒, Jurōjin 寿老人 und Fukurokuju 福禄寿 mit ihrem „Schatzschiff“ takarabune 宝船 am Neujahrstag am Hafen an und bringen Klugheit, Wissen, Erfahrung, Gelehrsamkeit, Tapferkeit, Wohlstand und langes Leben und Glück und Zufriedenheit mit. Ebenso den unerschöpflichen Geldbeutel, den unsichtbarmachenden Hut, den Glücksmantel, den hölzernen Hammer des Reichtums und die geisterjagende Ratte.

ema Motivtafeln an einem Schrein in Gamagori zeigen Japans sieben Glücksgötter in ihrem Schiff.
ema Motivtafeln an einem Schrein in Gamagori zeigen Japans sieben Glücksgötter in ihrem Schiff.

Ebisu – Gott der Fischerei, des Glück und erfolgreichen Handels

Der einzige ursprünglich Japanische der sieben Glücksgötter ist Ebisu, der einem auch überall im Land begegnet. Er ist leicht erkennbar durch seine Angelrute und einer dicken Meerbrasse unter dem Arm. Mythologisch basiert er auf der Gottheit Hiruko 蛭子, dem ersten Kind der Gründungsgottheiten Japans Izanami 伊邪那美命 und Izanagi 伊邪那岐命. Hiruko wurde verkrüppelt (unter anderem ohne Knochen und Beine) geboren und wird deshalb auch als Blutegel-Kind bezeichnet. Seine Eltern setzten ihn auf einem Boot aus. Am Ufer des Dorfes Nishinomiya wurde er wieder an Land gespült, weswegen sich heute dort der Ebisu-Hauptschrein Japans befindet. 

Ebisu jedoch war zäh und gab nicht auf. Er bekam Beine und seine Knochen wuchsen nach. Wenn er auch weiterhin etwas verkrüppelt und taub blieb, verwandelte er sich in den lachenden Gott, den die Japaner heute verehren.

An vielen Schreinen findet man Ebisu-Statuen. Im Alltag begegnet er einem sonst am wahrscheinlichsten auf dem Label der Biermarke „Yebisu“ (das „Y“ am Anfang kommt von einer alten Schreibweise des Worts Ebisu). In Tōkyō gibt es auch einen Bahnstation mit dem Namen Ebisu, was allerdings davon kommt, dass früher in der Nähe das Yebisu-Bier gebraut wurde.

Bei einem Matsuri in Kyoto werden die sieben Glücksgötter in einem Schiff durch die Stadt gezogen.
Beim tōka ebisu Matsuri in Kyoto werden die sieben Glücksgötter in einem Schiff durch die Stadt gezogen.

Ebisu Matsuri

Das Haupt-Ebisu-Festival wird jedes Jahr am 20. Oktober gefeiert. Während alle anderen japanischen Götter in diesem Monat ihre Schreine verlassen, um nach Izumo zu ziehen, bleibt Ebisu zu Hause. Schließlich ist er taub und hört den Ruf, sich auf den Weg zu machen, nicht, wodurch er zu Verfügung steht, um gefeiert zu werden 😉

Ein weiterer großer Ehrentag Ebisu betreffend ist der 10. Januar, der noch lose zu den Feierlichkeiten rund um Neujahr gehört. Landesweit finden an Schreinen mehrtägige Feierlichkeiten statt. Das matsuri nennt sich tōka ebisu 十日恵比須. Am Hauptschrein in Nishinomiya findet an diesem Tag ein Rennen statt, an dem jährlich mehrere Tausend Menschen teilnehmen (der Gewinner wird zum „Lucky Man“). In Kyōto „fährt“ das Schiff der Glücksgötter durch die Straßen. Schreinhelferinnen laufen von Geschäft zu Geschäft und verteilen Babmuszweige mit grünen Blättern fukuzasa 福笹, die fürs kommenden Jahr einen reichen Umsatz bringen sollen.

Das Bild der Woche entstand am Mishima Taisha Schrein in der Stadt Mishima, wo ebenfalls um den 10. Januar der Glücksgott gefeiert wurde. Hier sogar mit eigenen ema 絵馬 Wunschtafeln, auf denen die Fuffies in den Club geworfen werden 😝

Kategorien Alltägliches
Elisa

über

Ich bin Elisa, Japan ist meine große Liebe und hier erzähle ich davon. Meine Japanreisen dieses Jahr: im Mai war ich zweieinhalb Wochen an der San-in Küste, im November auf Shikoku. What's next?

0 Kommentare zu “Bild der Woche: Japans japanischster Glücksgott Ebisu

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.