Ganz in der Nähe des Hōryū-ji-Tempels in der Stadt Ikaruga, Nara lässt dich das legendäre Pokémon Entei auf einem Kanaldeckel finden.

Pokemon-Kanaldeckel – Gotta Catch ‘Em All

Über ganz Japan verteilt gibt es Gullydeckel, die unterschiedliche Pokémon als Motiv zeigen. Jeder davon ist einzigartig und nur an einem Ort zu finden. Getreu dem Motto des Franchises „Gotta Catch ‘Em All“ (wörtlich „man muss sie alle fangen“) sind Fotos dieser Pokémon-Kanaldeckel ein eigenes Sammelobjekt und es gibt diverse Instagram-Accounts dafür. Die Schachtabdeckungen werden liebevoll gestaltet und dir Orte, wo sie eingesetzt werden, mit bedacht gewählt. Denn die Pokémon-Kanaldeckel haben einen ganz bestimmten Zweck.

Japans wunderschöne Kanaldeckel

Ein Löschwasser-Kanaldeckel in der japanischen Stadt Tottori zeigt einen bunten Shanshan-Papierschirm.
Ein Löschwasser-Kanaldeckel in der japanischen Stadt Tottori zeigt einen bunten Shanshan-Papierschirm.

Japans Kanaldeckel sind ein Thema für sich. In den 1980er Jahren fand eine landesweite Modernisierung der Kanalsysteme statt, die eine große Summe Steuergelder verschlang. Um das Projekt populärer zu machen, bekamen die Gemeinden die Möglichkeit, individuelle Gullydeckel zu gestalten. Die Idee kam an und heute existieren über 12.000 unterschiedliche Motive, die jeweils regionale Eigenheiten darstellen.

Die Gullydeckel sehen aber nicht nur schön aus, sie haben eine ganz eigene Fankultur hervorgebracht. Sogenannte „Drainspotter“  fotografieren die Schachtabdeckungen, pausen sie durch, holen sich dazugehörige Sammelkarten oder kaufen Merchandise mit den Lieblingsmotiven.

Die Stadt Matsumoto in den japanischen Alpen ist berühmt für ihre kunstvollen, farbenfrohen temari-Bälle. Dementsprechend bunt sind einige Kanaldeckel auf dem Gemeindegebiet.
Die Stadt Matsumoto in den japanischen Alpen ist berühmt für ihre kunstvollen, farbenfrohen temari-Bälle. Dementsprechend bunt sind einige Kanaldeckel auf dem Gemeindegebiet.

Sammeln ist auch das Hauptthema rund um das Pokémon-Franchise, deshalb war der Schritt zu entsprechenden Kanaldeckeln eigentlich logisch.

Der Ursprung der Pokémon-Kanaldeckel

Der erste Pokémon-Kanaldeckel, der in Japan installiert wurde, zeigt ein Evoli. (Foto: Bob Walker, Flickr https://flic.kr/p/2hvPi9L CC BY-SA 2.0)
Der erste Pokémon-Kanaldeckel, der in Japan installiert wurde, zeigt ein Evoli. (Foto: Bob Walker, Flickr, CC BY-SA 2.0)

Im Jahr 2018 begann in der kleinen Stadt Ibusuki im Süden Japans eine ganz besondere Zusammenarbeit. Ein bunter Kanaldeckel mit Pokémon-Motiv wurde installiert. Das gezeigte Monster ist ein Evolie – kein Zufall, denn es steckt ein Wortspiel dahinter. Im Japanischen wie Englischen heißt Evoli nämlich Eevee. Und iibisuki イーブイ好き bedeutet so viel wie „Ich mag Evoli“. Man nehme noch den Namen der Stadt Ibusuki und et voilà.

Insgesamt neun Poké Lids oder PokeFuta (ポケふた), wie sie auf Englisch und Japanisch genannt werden, finden sich in Ibusuki. Ein normales Evoli und alle acht „Evolitionen“, zu denen es sich weiterentwickeln kann.

Über die Stadt Ibusuki verteilt befinden sich neun PokéFuta. SIe zeigen Evoli und alle Entwicklungsvarianten. Hier zum Beispiel Folipurba. (Foto: Bob Walker, Flickr https://flic.kr/p/2hwa892 CC BY-SA 2.0)
Über die Stadt Ibusuki verteilt befinden sich neun PokéFuta. SIe zeigen Evoli und alle Entwicklungsvarianten. Hier zum Beispiel Folipurba. (Foto: Bob Walker, Flickr, CC BY-SA 2.0)
Dieser Kanaldeckel zeigt die „Evolition“ Glaziola. (Foto: Bob Walker, Flickr https://flic.kr/p/2hwgJgP CC BY-SA 2.0)
Dieser Kanaldeckel zeigt die „Evolition“ Glaziola. (Foto: Bob Walker, Flickr, CC BY-SA 2.0)

Ja, die Japaner lieben Wortspiele. Aber das allein war nicht der Grund, warum ausgerechnet neun Zugstunden von Tōkyō entfernt eine Stadt ganz im Süden von Kyūshū ausgewählt wurde, den ersten Pokémon-Kanaldeckel zu beherbergen.

Pokémon-Kanaldeckel sollen Touristen in entlegene Gegenden locken

„Pokémon Local Acts“ nennt sich eine Zusammenarbeit von The Pokémon Company und der japanischen Regierung. In diesem Rahmen werden einzelne Pokémon zu Präfektur-Botschaftern ernannt. Vor allem von solchen, die bisher wenig Touristen anlocken.

Ein Werbebanner für eine Sammelstempel-Rallye rund um den Pokémon Botschafter der Präfektur Iwate Kleinstein.
Ein Werbebanner für eine Sammelstempel-Rallye rund um den Pokémon Botschafter der Präfektur Iwate Kleinstein.

Dabei wird genau ausgewählt. Die Eigenschaften des Pokémon passen nach Möglichkeit zu den regionalen Gegebenheiten. So ist es in der Präfektur Tottori mit ihren kilometerlangen Sanddünen zum Beispiel das Boden-Pokémon Sandan. In der Präfektur Iwate, deren japanische Schreibweise das Zeichen für Fels enthält, fungiert Kleinstein als offizieller Pokémon-Botschafter.

Am Beispiel der Kanaldeckel der Präfektur Iwate sieht man schön, mit wie viel Detailliebe die Kanaldeckel gestaltet werden. Etwa die Hälfte davon zeigen Kleinstein in unterschiedlichen Situationen. Aber auch andere regional passende Pokémon kommen vor. Auf diesen anderen Schachtabdeckungen ist Kleinstein dennoch integriert: als kleine schwarze Silhouette ist er immer unauffällig vertreten.

Auf jedem Poké Lid in der Präfektur Iwate kann man irgendwo Kleinstein entdecken. (Quelle: Poké Lids Website)
Auf jedem Poké Lid in der Präfektur Iwate kann man irgendwo Kleinstein entdecken. (Quelle: Poké Lids Website)

Das seltenste Pokémon ist am schwierigsten zu finden

Tōkyō musste als Japans Haupstadt lange auf eigene Pokémon-Kanaldeckel warten. Erst seit 2020 befinden sich sechs Stück im Serigaya Park in Machida. Allesamt zeigen Pokémon der ersten Generation. Tōkyō selbst benötigt natürlich keinen Touristenboost, doch Machida ist die Heimat von niemand geringerem als Pokémon-Erfinder Satoshi Tajiri. Im Serigaya Park fing er als Kind Insekten, die Inspiration für die späteren „Pocket Monsters“.

Pikachu präsentiert die vier Kanaldeckel-Motive, die auf den Ogasawara-Inseln zu finden sind. (Foto: PR Times https://prtimes.jp/main/html/rd/p/000000259.000026665.html)
Pikachu präsentiert die vier Kanaldeckel-Motive, die auf den Ogasawara-Inseln zu finden sind. (Foto: PR Times)

Doch Tōkyō hat noch weitere PokeFuta. Zwei in Ueno und vier Stück auf den Ogasawara-Inseln. Letztere haben es in sich. Denn obwohl die Inseln offiziell zur Präfektur Tōkyō zählen, sind sie nur durch eine 24 Stunden dauernde Schiffsfahrt zu erreichen. An so einem besonderen Ort tummeln sich natürlich auch besondere Pokémon auf den Kanaldeckeln: zum einen die drei höchsten Entwicklungsstufen der ersten Starter Bisaflor, Glurak und  Turtok, zum anderen das seltenste aller Pokémon Mew.

Wer das seltenste Pokémon finden will, darf eben keine Mühen scheuen.


Ein Gullydeckel mit Vulpix als Motiv. (Foto: Miki Yoshihito, Flickr https://flic.kr/p/2nn6F4X CC BY 2.0)
Ein Gullydeckel mit Vulpix als Motiv. (Foto: Miki Yoshihito, Flickr, CC BY 2.0)

Wenn du Pokémon-Fan bist, können die PokeFuta-Kanaldeckel deine Reise nach Japan um einen großen Sammel- und Spaßfaktor bereichern. Sehr hilfreich bei der Planung deiner Japan-Reiseroute ist die offizielle Poké Lids-Website. Dort findest du eine komplette Liste aller verfügbaren Kanaldeckel nach Regionen und Präfekturen geordnet. Zu jeder Schachtabdeckung gibt es ein Bild und die genauen Koordinaten, damit du sie auch wirklich findest. Viel Spaß beim Sammeln. Denk dran: „Gotta Catch ‘Em All!“

Quellen und weiterführende Links zum Thema “Pokémon-Kanaldeckel”

Offizielle Website der Pokémon-Kanaldeckel: Poké Lids
Voyapon: PokeFuta – Japan durch Pokémon-Gullydeckel erkunden
ToykoCheapo: Poké Lids – The Beauty of Pokémon Manhole Covers in Japan (engl.)
Wikipedia: Pokéfuta (engl.)
SoraNews24: Mew makes Pokémon manhole project debut in the most crazy-remote part of Tokyo there is (engl.)


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