Süßigkeiten im Mondhasen-Design im „Tsukiusagi no Sato“.

Das Märchen vom Mondhasen

Wenn du hinauf zum Mond schaust, wann siehst du dann? Vielleicht gar nichts, mit etwas Fantasie kann man noch ein Gesicht hinein interpretieren. Japaner hingegen sehen beim Blick nach oben einen Hasen, der mochi-Reiskuchen stampft. Wie das kommt und was das Kaninchen überhaupt mit mochi und dem Mond zu tun hat, erzähle ich heute.

(Obwohl es zoologisch einen Unterschied git, unterscheidet das Japanische nicht zwischen Hase und Kaninchen. usagi (うさぎ) kann beides bedeuten, deshalb verwende ich es, obwohl ich es als ehemalige Kaninchenbesitzerin besser weiß, synonym.)

Wieso Japaner auf dem Mond einen Hasen sehen

Hasen begegnen einem auch oft an shintō-Schreinen.

Die Geschichte vom Mondhasen kennt in Japan jedes Kind. Ursprünglich eine buddhistische Legende, fand das Märchen über China seinen Weg in der Heian-Zeit (794–1185) nach Japan. Dort wird sie heute ungefähr so erzählt:

Eines Tages kam der Mann im Mond als Bettler verkleidet auf die Erde. Dort traf er auf einen Fuchs, einen Affen und ein Kaninchen. Da er sie um etwas zu essen bat, machten die Tiere sich auf die Suche. Der Fuchs kehrte mit einem Fisch für den Bettler zurück und der Affe mit Früchten vom Baum. Nur das Kaninchen hatte nichts weiter zu bieten als Gras. Deshalb bat es den Bettler ein Feuer zu machen und warf sich selbst hinein. (An der Stelle möchte ich am liebsten immer weinen. 🥲)

Der Mann war von dem Opfer so beeindruckt, dass er den Hasen aus dem Feuer holte und mit sich auf den Mond nahm, wo man es bis heute beim Stampfen von mochi-Reiskuchen beobachten kann.

o-tsukimi – das Herbstmondfest

In Japan gibt es die Tradition vom 15. bis 18. Tag des achten Monats nach dem traditionellen japanischen Kalender, was heute meist in den September fällt, den Herbstmond zu würdigen. Vor allem in der Heian-Zeit verbrachten ganze Gesellschaften die ersten Nachtstunden draußen und rezitierten Gedichte.

Auch heute trifft man sich gerne noch, um sich den Ernte-Vollmond anzusehen. Gedichte werden dabei aber vermutlich nicht mehr zum Besten gegeben. Was sich allerdings als Tradition gehalten hat, ist die Herstellung von tsukimi dango, also Mondschau-Klößen. 15 Stück (passend zum 15. Tag) werden aus mochi geknetet und gekocht und dann auf einem Holzständer zu einer Pyramide aufgetürmt.

Für „tsukimi dango“-Reiskuchen werden 15 Klöße zu einer Pyramide aufgestapelt und dem Mond geopfert. (Foto: Pheezy auf Flickr https://flic.kr/p/Z6KVFS, CC BY 2.0 https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/)
Für „tsukimi dango“-Reiskuchen werden 15 Klöße zu einer Pyramide aufgestapelt und dem Mond geopfert. (Foto: Pheezy auf Flickr, CC BY 2.0)

Ebenfalls eng mit dieser Jahreszeit verbunden ist das japanische Pampasgras (susuki すすき), das sich im Herbst auf großen Flächen wie die stürmische See silbern im Wind wiegt. Alles zusammen findest du als Emoji in deinem Handy: 🎑. Vollmond, tsukimi dango und Pampasgras. (Mehr über Emojis mit Japanbezug kannst du hier lesen.)

Andere Gerichte, deren Name bereits die Verbindung zu diesem Fest verrät, sind tsukimi soba und tsukimi udon – Nudelsuppen mit einem frisch aufgeschlagenen Ei, dessen Dotter den Vollmond repräsentiert.

„tsukimi soba“-Nudelsuppe mit einem Spiegelei, das an den Vollmond erinnern soll.
tsukimi soba-Nudelsuppe mit einem Spiegelei, das an den Vollmond erinnern soll.

Wenn du das nächste Mal in den Vollmond schaust, versuche einmal mit etwas Fantasie den mochi-stampfenden Hasen zu entdecken. Und sollte für dich zu dieser Zeit einmal eine Japanreise anstehen, wunderst du dich auch nicht mehr, wenn du bei McDonald’s einen Tsukimi-Burger mit Spiegelei bekommst.

Quellen und weiterführende Links

Wikipedia: Tsukimi
Bokksu: Japanese Otsukimi Folktale – The Rabbit on the Moon (engl.)

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