Zum Jahreswechsel 2017/18 erfüllte ich mir den Traum, einmal im Leben wie alle Japaner "Kōhaku Uta Gassen" zu schauen.

Bild der Woche: Einmal im Leben „Kōhaku Uta Gassen“ schauen

In meinem Kopf existiert eine Liste mit Dingen, die ich irgendwann im Leben einmal machen möchte. Darunter sind große Projekte, wie eine mindestens 6 Wochen lange Rundreise durch Indien, und kleine Wünsche, zum Beispiel zu lernen, wie man mit den Fingern pfeift. Sowas gibt es auch noch gesondert für alles, was Japan anbelangt und auf dieser Liste war eine Sache ganz oben: einmal Kōhaku Uta Gassen schauen. Das ist eine über vier Stunden lange Musikshow auf NHK, bei der alles Auftritt, was in Japan Rang und Namen hat. Seit Jahren co-moderieren entweder alle Mitglieder oder zumindest einer der Jungs der Boyband Arashi die Sendung. Hach, was war ich voller Vorfreude.

Spoiler: es war unerwartet schrecklich xD

Kōhaku Uta Gassen auf NHK – Das Pflichtprogramm für Japaner am Silvesterabend

Wo bei uns jeder mindestens eine Ausstrahlung von Dinner for One pro Silvesternacht einplant, ist in Japan der Ablauf des gesamten Abends klar: man schaut auf dem staatlichen Fernsehsender NHK viereinhalb Stunden lang Kōhaku Uta Gassen. Die Sendung wird im Radio und TV übertragen und das jährlich seit Beginn der 50er Jahre. Übersetzt bedeutet der Titel in etwas Rot-Weißes Gesangsgefecht und kommt daher, dass zwei Teams gegeneinander antreten. Das rote Team besteht aus lauter weiblichen Künstlerinnen, das Weiße aus Männern. Jeweils 25 Acts vertreten die Ehre des jeweiligen Geschlechts und am Ende wird von den Zuschauern und einer Jury über den Gewinner abgestimmt.

In der Sendung aufzutreten ist bis heute für viele Künstler eine Ehre, da streng ausgewählt wird, wer im Vergangenen Jahr erfolgreich war und den Geschmack der Zuschauer am besten treffen könnte.

Und hier kam meine Fehleinschätzung zustande xD Denn ich hatte mit vielen J-Pop-Bands aus den Charts gerechnet. Und ja, solche sind auch dabei. Aber Mann, so viel Enka…japanischer Schlager. Das klingt dann wie sowas hier:

Und ich liebe Japan und auch sowas find ich hin und wieder nice, aber über viereinhalb Stunden…naja. Ich war dann nicht böse, als wir zum Sensō-ji Tempel nach Asakusa aufbrachen, um uns dort in den Matsuri-Trubel zu stürzen.

Als wir in einer kleinen, familiären, verrauchten Nudelsuppenbude noch traditionell Soba schlürften lief im TV an der Wand natürlich auch wieder Kōhaku Uta Gassen ;) Natürlich.

Fazit: es war die Erfüllung eines Traums, dennoch ist das ja auch oft im Leben so, dass das gewünschte sich dann gar nicht als das herausstellt, was man erhofft hatte.

Was ist so DAS Japanerlebnis, das auf deiner Liste ganz oben steht? Hast du zu Silvester die Sendung auch schon einmal gekuckt?

Kategorien Alltägliches Populärkultur

über

Ich bin Elisa, Japan ist meine große Liebe und hier erzähle ich davon. Momentan bewerbe ich mich als Volunteer für die Olympischen Spiele in Tokyo 2020. Die nächste Reise ist für 2019 geplant.

4 Kommentare zu “Bild der Woche: Einmal im Leben „Kōhaku Uta Gassen“ schauen

  1. Versuch mal am 1. Januar in Tokio ein Restaurant zu finden. Nicht mal am Bahnhof in der Foodstreet waren viele offen. War total baff. Halb verhungert haben wir unter einer Brücke noch ein Nudelsuppen Restaurant gefunden ^^ Die Sendung war gewöhnungsbedürftig, vorallem wenn man nichts versteht….

    • Ich war überrascht wie lange manche Geschäfte auch geschlossen haben. Bis inklusive 05. oder 06.01.

  2. Liebe Elisa, Kohaku uta gassen vermisse ich sehr, obwohl diese vier Stunden am Jahresschluss auch für mich zum Schlimmsten der japanischen Kultur gehören. Aber im Familienkreis daran teilzuhaben, dabei gut zu essen und zu trinken, bevor es dann zum Tempel mit den 108 Glockenschlägen geht, das bringts schon. Und so kann ich als dankbarer Mitleser Ihres Blogs nur einen noch größeren Wunsch beisteuern: „Einmal im Leben ein ganzes Jahr (oder mehrere) in Japan leben!“ Bei mir waren es fast vierzehn. Und so fehlt mir eine NHK-Übertragung dieses Kultzeugs am Silvesterabend doch tatsächlich sehr.
    Herzlich, Dierk Stuckenschmidt

    • Lieber Dierk, nach 14 Jahren muss die Sehnsucht riesig sein. Das wird dann selbst etwas „schreckliches“ zu etwas Nostalgischem.

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